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Aus Berchtesgaden in die Welt

Der Landkreis Berchtesgadener Land, Nachbar des Bundeslands Salzburg, ist bekannt für seine Naturschätze Watzmann und Königssee. Sein wirtschaftliches Rückgrat sind jedoch mittelständische Betriebe, deren Produkte und Dienstleistungen auf der ganzen Welt gefragt sind. Sechs stellen wir Ihnen stellvertretend vor:

In Bad Reichenhall sitzt die Filmproduktionsfirma Timeline Production. Ihr Markenzeichen sind seit 15 Jahren Aufnahmen, die ans Limit gehen: Ob an der senkrecht abfallenden Felswand oder in den eisigen Temperaturen der Antarktis, das Team hält atemberaubende Bilder von bizarrer Schönheit fest. Die zwei Firmengründer Max Reichel und Franz Hinterbrandner, gebürtige Berchtesgadener, kamen über den Alpinismus zum Film und machten ihre Leidenschaft zum Beruf. Neben der Kameraarbeit nahmen sie auch Regie und Produktion in ihr Repertoire auf. Nur eine Handvoll Unternehmen in Europa haben sich so konsequent auf diese Nische spezialisiert. Schon früh waren die Filmemacher mit Thomas und Alexander Huber unterwegs und begannen die Reisen und Projekte der Extremsportler zu dokumentieren. Der große Durchbruch kam mit „Am Limit“ im Jahr 2007. Weitere Kinofilme wie „Jäger des Augenblicks“, „Eiger Nordwand“, „Cerro Torre“ und „Into the light“ folgten. Seit zwei Jahren bietet die Firma auch spezielle Quadrocopter-Aufnahmen mit großen Kinokameras an: Zwei portable Drohnen produzieren spektakuläre Aufnahmen an jedem beliebigen Ort. Timeline Production ist international tätig und kann Firmen wie das ZDF, Adidas und Red Bull zu ihren Stammkunden zählen.

Erfolgsgeschichten der Textilbranche

Mit innovativer Schutzkleidung und Hightech-Textilien für den Flugzeugbau und den Bereich erneuerbare Energien gehört die Trans-Textil GmbH aus Freilassing zu den Technologieführern ihrer Branche. 70 qualifizierte Mitarbeiter, Innovationen und gesundes Wachstum am Standort sind die Basis für den weltweiten Erfolg der Funktionstextilien aus dem Berchtesgadener Land. Schutz und Sicherheit stehen für die Geschäftsführung an erster Stelle. Die mehrlagigen Textilien werden mit wasserdichten atmungsaktiven Membranen, abriebbeständigen Beschichtungen oder schmutzabweisenden Oberflächenveredelungen ausgestattet. So haben Feuerwehrleute, Polizei, Rettungskräfte und Industriearbeiter sowohl zuverlässigen Schutz vor den Gefahren der täglichen Arbeit als auch Komfort. Im medizinischen Bereich schützen die Textilien als umweltfreundliche Mehrwegprodukte vor Bakterien und Viren.

Mit dem Einsatz seiner Textilien in neuen Verfahren der Leichtbautechnik hat das Unternehmen Zukunftsmärkte erschlossen. Als Technologiepartner des Luftfahrtkonzerns AIRBUS und weltweit exklusiver Hersteller für das patentierte VAP®-Verfahren produziert Trans-Textil textile Mehrlagensysteme zur Fertigung umweltfreundlicher Windkraftanlagen sowie von Luft- und Raumfahrtkomponenten. „Man kann in diesem Geschäft nur durch Innovation und Qualität überzeugen. Das hebt uns von der Billig-Konkurrenz aus Fernost ab“, erläutern die Geschäftsführer Dipl.-Ing. Wilhelm Krings, Matthias Krings und Manfred Hänsch die Marktposition der Trans-Textil GmbH.

Mit Handschuhen ist Marcus Chiba groß geworden. „Meine Mutter hat genäht, mein Vater hat zugeschnitten und ich lag in einer Kiste daneben“, erzählt der Chef der Firma Chiba Gloves in Teisendorf. Bereits Alois Chiba, der Ururgroßvater des heutigen Geschäftsführers, gründete 1853 das Familienunternehmen im böhmischen Abertham. Schnell entwickelte sich die kleine Stadt zum Zentrum der europäischen Handschuhindustrie. Chiba stand schon damals für höchste Qualität, war Lieferant der österreichischen Kaiserfamilie. Im Zweiten Weltkrieg verlor die Firma ihren Firmensitz und sämtliche Produktionsstätten. „Meine Großeltern sind nach Kanada ausgewandert, aber in den 60er Jahren wieder zurückgekommen, um in Piding wieder Handschuhe zu produzieren“, berichtet Marcus Chiba. Seit 1993 steuert er von Teisendorf aus die Produktentwicklung und den weltweiten Vertrieb. Wie seine Vorfahren stellt Marcus Chiba hohe Anforderungen an Lieferanten und Mitarbeiter. „Chiba kauft alle Rohmaterialien selbst ein, Lieferanten werden nach hohen Qualitätsstandards geprüft, die Schnitte konstruieren erfahrene Handschuhmacher und genäht werden unsere Produkte von versierten Näherinnen“, versichert Marcus Chiba. Seit 1984 fertigt die Firma Handschuhe für den Freizeitbereich oder strapazierfähige Handschuhe für den Arbeitsbereich in der eigenen Fabrik in Indonesien. Renommierte Designer setzen auf sie. Lance Armstrong trug sie bei Radrennen, die New Yorker Feuerwehrmänner helfen in Chiba-Handschuhen bei Katastrophen.

Kampf gegen Ebola

Wenn Helfer weltweit schnell zu Einsätzen gerufen werden, zu denen sie weder mit regulären Flugzeugen noch mit Schiffen hinkommen, dann sind die Piloten und Hubschrauber der Firma Global Helicopter Service (GHS) in Ainring gefragt. GHS unterstützt zum Beispiel das UN World Food Programme im Kampf gegen Ebola in Sierra Leone. Mitarbeiter der Vereinten Nationen, Ärzte und medizinisches Personal, sowie lebenswichtige Impfstoffe, Equipment und medizinische Güter werden zu den UN-Außenstationen im afrikanischen Hinterland befördert. Ähnliche Dienstleistungen erbringt das Unternehmen für Ärzte ohne Grenzen und die Britische Regierung. GHS-Piloten befördern auch Arbeiter von Pipelines rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz in schwer erreichbaren Wüstenregionen im Nordsudan. „Uns zeichnet aus, dass wir ungewöhnliche, teilweise äußerst herausfordernde Aufträge erfüllen können, zum Beispiel das kurzfristige Reagieren auf Krisen wie Ebola“, meint Firmenchef Dominik Goldfuss. Gemeinsam mit ehemaligen Kollegen gründete Goldfuss das noch junge Unternehmen Anfang 2014. Derzeit sind fünf Hubschrauber für GHS im Einsatz. Stationiert sind sie in Sierra Leone und im Sudan. Das Hauptquartier der Firma in Ainring leitet und koordiniert allerdings sämtliche Aktionen. Auch alle Verwaltungstätigkeiten und das Flugtraining werden in Ainring durchgeführt.

Handgefertigte Holzschindeln

Holzschindeldächer für die ganze Welt fertigt die Firma Theo Ott in Hammerau bei Ainring. Die Fassade des Weltpatentamtes in Genf wurde zum Beispiel mit ihren Produkten verkleidet. Für das Olympische Dorf in Turin und Sotschi lieferte das Unternehmen über 14.000 Quadratmeter und einem Skizentrum in Korea 2.000 Quadratmeter Schindeln. Auch Objekte in St. Martin (Karibik) oder an der US-Ostküste wurden bereits mit Ott-Holzschindeln beliefert. „Fassaden und Dächer aus Schindeln haben nicht nur Tradition, sie wirken auch wärmedämmend, sind sturmsicher und frostbeständig, elastisch und leicht“, sagt Tunay Öztunc, einer der beiden Theo Ott-Geschäftsführer. Generell gelte: Je steiler die Dachneigung, desto länger hält das Schindeldach. Fassaden können sogar 100 Jahre überdauern. Die Firma Theo Ott lässt ihre Schindeln größtenteils in Sibirien und überwiegend von Hand herstellen. In Hammerau wird nur ein Bruchteil angefertigt, von Heini Koch. Am liebsten ist ihm Rotes Zedernholz, aber auch Fichten- und Lärchenholz, Eichen- und Buchenholz. Bevor eine Schindel die Firma verlässt, hat Heini Koch sie ungefähr drei bis fünf Mal in der Hand gehabt. Holzschindeldächer sind laut Öztunc schwer im Kommen, obwohl man mit Kosten von 100 bis 150 Euro pro Quadratmeter rechnen muss, je nach Holzart und Qualität. Europaweit gibt es etwa zehn Firmen, die sich so wie Theo Ott auf Holzschindeln spezialisiert haben.

Zukunftsfeld Satellitennavigation

Ein Zukunftsfeld des Berchtesgadener Landes sind ortsbezogene Produkte und Dienstleistungen. Im Netzwerk Satellitennavigation Berchtesgadener Land – Salzburg arbeiten Partner in High-Tech-Projekten zusammen. Ein wichtiges Unternehmen ist der Softwareentwickler WANKO Informationslogistik GmbH in Ainring. 50 Mitarbeiter zählt das 1972 gegründete Unternehmen. Sie entwickeln als einer der wenigen Anbieter in Europa Logistiksteuerungssysteme, welche die gesamte Kette von der Lagersteuerung über die Transportplanung und -steuerung bis hin zur Ablieferscannung beim Kunden bedient. Die Lagerverwaltungssoftware PRAMAG steuert sämtliche Prozesse, von der Ein- bis zur Auslagerung. Mit dem Tourenplanungssystem PRACAR plant der Disponent die Touren und begleitet diese während ihres Verlaufs. Die Ortung durch Satelliten gewährleistet, dass er jederzeit weiß, wo sich die Lkws befinden. Mittels kurzfristiger Prognosen, die auf einem Vergleich der Soll- mit den Ist-Daten basieren, werden die Fahrer dirigiert und so auch nicht planbare Verkehrssituationen gemanagt. Berücksichtigt werden auch kundenspezifische Vorschriften, beispielsweise zum Transport von Gasen oder gekühlter Ware. „Wir bedienen so Kunden verschiedenster Branchen, von Edeka über BASF bis hin zur Österreichischen Post“, meint Geschäftsführer Alexander Wanko. Ergänzt wird die Tourenplanung durch die Telematiksoftware PRABORD. Per Knopfdruck überträgt der Disponent Tourendaten auf den Bordcomputer im Lastwagen. Das System warnt, wenn Zeitplanabweichungen auftreten oder wenn Fahrer schon zu lange am Steuer sitzen.

Ansprechpartner für strategische Wirtschaftsthemen  und -förderung: Wirtschaftsförderung Berchtesgadener Land, www.wfg-bgl.info

Doris Goossens

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