Die Lust am Laufen

Lauftherapeutin

Die Lust am Laufen

Es war ein trister Herbstabend, als meine Jogging-Karriere begann. Ich hatte die Stubenhockerei satt, ich brauchte frische Luft und Bewegung. Joggen erschien mir perfekt, kein großer Aufwand, keine teure Ausrüstung, einfach raus aus der Tür und los. Die erste Laufeinheit war nicht der Rede wert, eine Minirunde durchs Dorf. Danach war ich völlig platt. Typisch Anfänger, sagt Lauftherapeutin Brigitte Behrens.

Die meisten überfordern sich am Anfang. Es wird zu viel oder zu schnell gelaufen. Und der Körper bekommt nicht die notwendige Erholung, um sich optimal an die neue Bewegungsform anzupassen. Man sagt, dass das ungefähr ein Jahr dauert“, erklärt die 47-jährige Reichenhallerin. Und sie weiß, wovon sie spricht. Vor 15 Jahren hat Brigitte Behrens an ihrem ersten Volkslauf teilgenommen. Damals waren ihre zwei Kinder noch klein. Oft schlüpfte sie schon in aller Herrgottsfrühe in die Schuhe, wenn die Familie noch schlief. „Das hat mir einfach gut getan“, erinnert sie sich.

Sie wurde immer besser, ging bei diversen 10 km-Läufen, Halbmarathons und sogar Marathons an den Start. Von sich selbst sagt sie, sie schwanke zwischen Genussläuferin und Läuferin mit Wettkampfambitionen. Sie weiß: „Laufen tut der Seele gut. Außerdem ist Sport gesund und wird mittlerweile sogar bei Krebserkrankungen als Therapieform miteingesetzt. Es verbessert die Heilungschancen deutlich.“

Pausen nicht vergessen!

Also hat Brigitte Behrens eine Laufschule eröffnet und sich zur Lauftherapeutin ausbilden lassen. Jetzt bringt sie anderen das Laufen bei. Was sich erstmal merkwürdig anhört, für absolute Bewegungsmuffel aber durchaus Sinn macht, weil der Einstieg sehr schonend erfolgt. Und so, dass sich keiner übernimmt. „Es ist ein gesundheitsorientierter Ansatz, die zurückgelegte Strecke ist erst mal nebensächlich. Bei Lauftherapie geht es um die bewegte Zeit, nicht um vollbrachte Kilometer“, erklärt die Expertin. In der Praxis schaut das dann so aus:

Ein Lauftherapie-Kurs ist auf zehn bis zwölf Wochen angesetzt. In der ersten Woche wird im Wechsel eine Minute gelaufen und zwei Minuten gegangen. Das steigert sich dann soweit, dass man in der zwölften Woche schon auf eine durchgängige Laufzeit von 30 Minuten kommt. Ihr Laufprogramm ergänzt Brigitte Behrens durch Dehn-, Lockerungs- und Kräftigungsübungen. Sie verspricht: „Durch so ein solides Ausdauer-Fundament kommt die Lust am Laufen dann ganz automatisch, weil der Körper es als positives Erleben abgespeichert hat“.

Gemeinsam statt allein

Zugegeben, nach meinem ersten Mal wollte ich nie wieder laufen. Nie wieder. Eine Freundin hat mich dann doch überredet. Zu zweit lief es sich gleich viel leichter. Ich bin drangeblieben und es bringt mir heute tatsächlich Spaß, bei jedem Wetter, das ganze Jahr über. Also, runter vom Sofa, laufen Sie los, es ist herrlich! 

Kathrin Thoma-Bregar

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