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Diese Harmonie ist nicht gespielt

In der Zenzmühle bei Bad Endorf lebt Schauspieler Maximilian Brückner mit Eltern, Geschwistern, Gänsen, Schafen und Hühnern. „Mein Netz mit doppeltem Boden“ nennt er diese Idylle.

Maximilian Brückner ist ein gefragter Schauspieler. Er war der Tatort-Kommissar Franz Kappl, begeisterte als Pitschi in „Resturlaub“ oder in  anspruchsvollen Rollen wie der des Chemikers Fritz Haber in „Clara Immerwahr“. Doch der Schauspieler Brückner ist nur eine Facette seines Lebens. Ein ganz wichtiger Teil spielt sich auf der Zenzmühle bei Bad Endorf im Chiemgau ab. Hier lebt der 36-Jährige mit seiner Großfamilie. Als wir etwas zu früh zum Interview kommen, schaufelt er gerade konzentriert Rindenmulch von einem Hänger unter die frisch gepflanzten Hecken. Um ihn herum watscheln Gänse und Hühner. Hinter dem stattlichen Wohnhaus blöken Schafe. Plätschernd fließt der glasklare Mühlbach durch das große Grundstück. Im Hof ist eine riesige Kinderschaukel aufgebaut.

Gemeinsames Mittagessen

Maximilian Brückner liebt sein Zuhause, das er sich in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seiner Familie in unzähligen Arbeitsstunden geschaffen hat.  „Ich wollte immer auf einem Hof auf dem Land wohnen“, erzählt der Schauspieler. Lange hat er nach dem passenden Objekt gesucht. Schließlich fand er es in der ehemaligen Mühle. „Für mich und meine Frau war sie zu groß, daher habe ich die Geschwister und Eltern gefragt, ob wir sie renovieren und dort zusammen wohnen wollen.“ Drei Jahre lang schufteten die Brückners, um aus der heruntergekommenen Mühle ein Kleinod zu machen. Wie gut, dass die „familieninternen Handwerker“, Dominikus und Franz-Xaver, als Schreiner und Elektriker ihre ganze Expertise einbrachten.  Die Mühe hat sich mehr als gelohnt. Heute wohnen die Eltern und sechs der acht Geschwister mit Partnern und Kindern in eigenen Appartements in der Zenzmühle. „Wichtig ist, dass sich jeder in sein eigenes Reich zurückziehen kann. Tatsache ist aber, wir sind einfach gern zusammen. Zum Beispiel versuchen wir jeden Mittag gemeinsam zu essen“, schildert Maximilian.

Zahlreiche Talente

Zum Gespräch haben wir uns im hauseigenen Laden niedergelassen. Mutter Angela und die Schwestern Isabella, Susanne und Angelina  verkaufen hier edle Tracht. Die  Idee, nach der Renovierung auch noch einen Laden zu eröffnen, stammt ebenfalls vom ältesten Bruder Maximilian.  „Man hat eine Idee und die anderen müssen sie ausbaden“, schmunzelt er. Wie schön, dass er dabei auf die zahlreichen Fähigkeiten und die schier unerschöpfliche Energie seiner Familie zählen kann. Zwei Talente haben die Familie besonders zusammengeschweißt: die Musik und die Schauspielerei.

Bereits als Kinder spielten die Brückners mit befreundeten Familien bei den „jungen Riederinger Musikanten“. Maximilian bläst auch heute noch trotz seiner vielen Verpflichtungen regelmäßig die Tuba. Geübt wird im Umkleideraum des Trachtenladens, „weil wir hier unsere Ruhe haben“.

Über die Musik kamen die Brückner-Kinder zum Theater. Wie es der Zufall wollte, sah der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl, die Truppe und war so begeistert, dass er sie auf seine Bühne holte. „Der Brandner Kasper und das ewige Leben“  mit den Riederinger Musikanten als Bauern und Maximilian Brückner als Boandlkramer ist seit Jahren der Dauerbrenner im Münchner Volkstheater. Die Aufführungstermine mit „seinen Riederingern“ sind Maximilian heilig und im Terminkalender fest geblockt. „Es macht einfach wahnsinnig Spaß, mit den Freunden und Geschwistern zusammen zu spielen.“ Wenn möglich, stehen die Brückner-Brüder auch für andere Produktionen gemeinsam vor der Kamera. Im Kultfilm „Wer früher stirbt ist länger tot“ von Marcus H. Rosenmüller spielte Maximilian mit Bruder Franz-Xaver, dann in der ZDF-Produktion „Tannbach – Schicksal eines Dorfes“  mit Bruder Florian. „Das ist reines Vergnügen und keine Arbeit“, betont Maximilian. Neid auf den Erfolg des anderen gibt es bei Familie Brückner nicht. Maximilian wirkt ob dieser Frage fast bestürzt und wird nicht müde, die Erfolge seiner Geschwister zu betonen. „Meine Schwester Susanne ist eine erfolgreiche Moderatorin. Mein Bruder Dominikus ist eigentlich der beste Schauspieler von uns allen, nur der will das eben nicht beruflich machen. Florian hat sich als Schauspieler spätestens mit seiner Rolle als Edi Brenner in ‚Das finstere Tal‘ etabliert. Und er hat schon seinen ersten Fernsehfilm gedreht, da war ich noch auf der Schauspielschule. Kann sein, dass ich ab und an Türöffner bin, aber beweisen mussten sie sich alle selbst.“

Warum seine Mutter ausgerechnet ihm vorgeschlagen hat, hauptberuflicher Schauspieler zu werden, sei ihm noch heute ein Rätsel. „Ich nehme mal an, weil sie die Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München kannte
und ich eben der Älteste und gerade mit der Schule fertig war“, vermutet er. Eigentlich wollte er damals Medizin studieren. „Dass die Mutter gesagt hat, werde lieber Schauspieler, ist natürlich ungewöhnlich. Aber sie überrascht einen immer wieder.“

Stabile Basis

Die stabile Basis, das Selbstvertrauen und das sonnige Gemüt, das ihm seine Eltern mitgegeben haben, strahlt Maximilian Brückner aus. Kein Wunder, dass er als „everybodys Darling“ unter den deutschen Schauspielern betitelt wird. Und vielleicht bekam er deshalb bereits während der Schauspielschule erste Engagements am Theater und beim Film. Früh stand er als „Mammon“ im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen und als Räuber Kneißl auf der Bühne und feierte mit „Männer wie wir“ sein erfolgreiches Filmdebüt. Seither ist die Erfolgssträhne nicht abgerissen. Ab Sommer steht der Dreh für einen Mehrteiler in Österreich an. Darauf freut sich Maximilian besonders. „Ich liebe den bissigen Humor der Österreicher. Sie können sich viel besser selbst auf die Schippe nehmen als wir Deutschen“, meint er. Auch Hollywood klopfte bereits an seine Tür. 2011 spielte der Chiemgauer in Steven Spielbergs „Gefährten“ (War Horse) mit. Für ihn ein ganz besonderes Erlebnis. „Beim Dreh in London ist mir ganz schön die Düse gegangen. Bei einer teuren Hollywood-Produktion muss jeder Satz sitzen. Ich war wahnsinnig aufgeregt.“ Begeistert war er von der Natürlichkeit des berühmten Regisseurs Spielberg. „Der kam ganz locker daher und grüßte mich mit: ‚Hi, Maximilian, how are you?‘“. Weitere internationale Produktionen sind nicht ausgeschlossen. „Ich kann Hochdeutsch und Englisch drehen, das ist kein Problem. Von Anfang an war mir sehr wichtig, mich nicht auf Bairisch festzulegen. Obwohl Bayern natürlich meine Heimat ist“, betont der gebürtige Münchner. 

Dass es in absehbarer Zeit ruhiger um ihn wird, ist unwahrscheinlich. Doch im Chiemgau zählt das nicht. Hier ratscht Maximilian Brückner fernab jeglichen Starrummels mit dem Dorfältesten oder organisiert mit den Schwestern einen Handwerkermarkt. Oder er baut mit Bruder Dominikus nostalgische Skistecken für den Trachtenladen, wenn er nicht gerade Tuba spielt. Dieses Geerdet-Sein zeichnet Maximilian Brückner aus. Er wird nicht abheben. Auch wenn er noch berühmter wird.

Doris Goossens

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