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Goldenes Traumland: Myanmar

Burma, Birma, Myanmar – gleich drei Namen finden sich auf der Karte Ostasiens für dieses vielgestaltige Land. Es reicht von den fast 6.000 Meter hohen Ausläufern des Himalajas im Norden bis zu den zahllosen Inseln der Andamanen See im Süden. Dazwischen abertausende goldene Pagoden und riesige Buddhastatuen, dampfende Urwälder und geheimnisvolle Bergdörfer.

Welcome to the Golden Rock“, begrüßt uns der junge Mönch und führt uns in einen kleinen Raum, der nur von ein paar Öllämpchen schwach erhellt wird. Vor einer mit bunten Seidentüchern und Blumen geschmückten goldenen Buddhastatue haben sich, kniend oder sitzend, etwa ein Dutzend ältere Mönche versammelt. Sie wiegen sich rhythmisch zu den fast gesungenen Gebetsformeln. Der angenehme Duft von Räucherstäbchen erfüllt den Raum. Am Ende dieser eindrucksvollen Zeremonie werden Kerzen entzündet, und die Mönche treten hinaus auf den von einer bunten Pilgerschar belebten großen Platz vor dem Goldenen Felsen. Heute beginnt das Lichterfest nach der Regenzeit an diesem, einem der größten Heiligtümer Myanmars: Der fast acht Meter hohe, über 600 Tonnen schwere Granitbrocken steht ganz am Rande einer großen Felsplattform. Es scheint, als könne er jeden Moment in die Tiefe stürzen, wird aber – so die Legende – von einem Haar Buddhas in Balance gehalten. Und das trotz zahlreicher Erdbeben in diesem Gebiet.

Der über und über mit Blattgold bedeckte, natürliche Findlingsblock wird von einer sechs Meter hohen Pagode gekrönt. Langsam geht die Sonne unter und taucht den Goldenen Felsen und die ganze Umgebung in ein mystisches Licht. Die Pilger – Männer, Frauen und Kinder – entzünden zigtausende Kerzen und Räucherstäbchen. Sie sprechen alleine oder in Gruppen ihre Gebete. Hin und wieder ist der dumpfe Ton einer Tempelglocke zu hören.

Unser Führer nimmt uns bei der Hand und zeigt uns eine Stelle, an der wir den Untergang der Sonne besonders eindrucksvoll erleben können: Da ist ein länglicher Spalt zwischen dem Goldenen Felsen und seiner Unterlage zu sehen – und genau da sendet jetzt die Sonne ihre letzten Strahlen hindurch. Es zeigt uns auch, wie wenig tatsächliche Auflagefläche dieses wunderbare Felsgebilde besitzt.

Im dichten Strom der Pilger umrunden wir langsam das Heiligtum. Den Männern bleibt es vorbehalten, das nur wenige Quadratzentimeter große, hauchdünne Blattgold am Felsen anzubringen. Das Lichterfest dauert bis tief in die Nacht. Und der nächste Morgen beschert uns hier auf etwa 1.000 Metern Seehöhe einen traumhaften Sonnenaufgang.

Tage später in der

Fünf-Millionen-Metropole
Yangon – dem ehemaligen Rangun:

Bis vor wenigen Jahren war dies die Hauptstadt Myanmars, das achtmal größer als Österreich ist. 55 Millionen Menschen leben hier. Sie gehören weit über hundert ethnischen Gruppen mit den verschiedensten Sprachen und Dialekten an. Der Buddhismus ist die tragende Religion des Landes, daneben gibt es aber auch christliche Gemeinden und im Nordwesten auch Moslems. Ahnenkult und Geisterglaube haben sich aber in weiten Kreisen der Bevölkerung erhalten. Heute ist das erste Vollmondfest nach der Regenzeit, das größte und wichtigste Fest des Jahres. Hunderttausende Menschen strömen zu der weithin leuchtenden Schwedagon-Pagode, dem bedeutendsten Heiligtum des Landes. Der Name heißt übersetzt einfach die goldene Pagode, und tatsächlich wurden beim Bau 60 Tonnen Gold verarbeitet. Das über hundert Meter hohe Bauwerk soll schon zu Lebzeiten des historischen Buddhas entstanden sein und trägt an seiner Spitze einen 76-karätigen Diamanten. Um das zentrale Heiligtum gruppieren sich unzählige, nicht weniger kunstvoll gestaltete und reich verzierte kleinere Pagoden. Das eigentliche Fest beginnt am Abend: Hundertausende Öllämpchen werden rund um das kunstvoll beleuchtete Heiligtum entzündet. Der Menschenstrom nimmt noch immer zu und trotzdem: Sooft wir auch stehen bleiben und Fotos machen oder einfach nur das wundersame Treiben beobachten, nie werden wir angerempelt. Dann erreicht das Fest seinen Höhepunkt: Der Vollmond erscheint strahlend über den Silhouetten der Pagodentürme. Zigtausende Mönche und Pilger knien nieder und beten. Noch ein drittes großes Fest erleben wir auf dieser Reise: Mitten im Land liegt auf etwa neunhundert Metern der Inle-See. Die umgebenden Bergketten erreichen über zweitausend Meter. Im See befinden sich mehrere Pfahlbaudörfer mit schwimmenden Gärten. Weltbekannt sind hier die Einbeinruderer. Geschickt bewegen sie die kleinen Boote und haben beide Hände frei, um mit den kunstvoll gefertigten Reusen oder Netzen zu hantieren. In der Phang Daw U-Pagode werden seit dem 12. Jahrhundert fünf kleine Buddhastatuen aufbewahrt. Ihre Form ist kaum mehr erkennbar, da sie zentimeterdick mit Blattgold überhäuft wurden. Vier dieser Statuen werden drei Wochen vor dem Vollmondfest zum Ende der Regenzeit – Ende Oktober oder Anfang November – von Dorf zu Dorf gebracht. Das dabei verwendete vergoldete Zerimonialboot gleicht einem mythischen Zaubervogel. Heute, einige Tage nach Vollmond, werden die Statuen zurückgebracht. Aus allen Gebieten rund um den See sind die Menschen zu dieser farbenfrohen Seeprozession angereist.

Und gleich im Anschluss daran findet das große Bootsrennen statt. Auf den langen flachen Booten kämpfen bis zu 60 Einbeinruderer um den Sieg. Ein Volksfest für alle Zuschauer und Mitwirkenden.

Das alte Bagan bildet den nächsten Höhepunkt unserer Reise durch dieses zauberhafte Land. Lange vor Tagesbeginn erklimmen wir über steile Stufen eine Aus-
sichtsplattform der Sonnenaufgangs-Pagode. Und der Morgensport macht sich bezahlt. Langsam beginnt sich der Himmel über einer Traumlandschaft mit hunderten uralten Pagoden zu verfärben. Die Pastelltöne des Himmels wechseln ständig und werden immer intensiver.

Dann erleuchten die ersten Sonnenstrahlen die Nebelreste zwischen den Bauwerken. Und um die märchenhafte Stimmung noch zu steigern, erscheinen jetzt fünf oder sechs Heißluftballons über dieser phantastischen Szenerie. Nach einer ausgiebigen Besichtigungstour verlassen wir die einzigartige Stadt Bagan nach Westen. Mit dem Jeep geht es über die neue Brücke des Irrawaddy, wie so vieles umbenannt in Ayeyarwady. Dieser Fluss entspringt in der Nähe des Hkakabo Razi, des mit 5.881 Metern höchsten Berg Myanmars. Wie eine Lebensader durchzieht er das ganze Land auf über 2.000 Kilometern. Nahe Yangon mündet er in einem gewaltigen Delta.

Die Fahrt geht durch goldgelbe Reisfelder. Wir durchqueren einen Fluss und erreichen über einen Pass das Gebiet des Mount Victoria. Der dicht bewaldete Berg ist über 3.000 Meter hoch. Auf Wanderungen von Dorf zu Dorf lernen wir die einfachen und freundlichen Menschen dieser Gegend kennen. Die älteren Frauen tragen oft auffällige Gesichtstätowierungen. Obwohl auch hier Buddhismus und Christentum vorherrschen, finden sich unübersehbar auch Spuren von Naturreligionen und Geisterkult.

Eine Woche später sind wir im sogenannten Goldenen Dreieck unterwegs. So wird das Grenzgebiet zwischen Myanmar, Laos und Thailand bezeichnet. Wir wandern über mehrere Bergrücken und durch Täler zu versteckt liegenden Dörfern. Dabei finden wir immer wieder äußerst freundliche Menschen. Besonders schön ist der Kopfschmuck der Akha-Frauen: Aus zahllosen bunten Glasperlen und silbrig glänzenden indischen Rupien-Münzen fertigen sie kunstvolle, haubenartige Gebilde. Auf den Feldern arbeiten Männer und Frauen gemeinsam und freuen sich, wenn wir sie fotografieren. Zum Ende der Reise erkunden wir den weiteren Umkreis der ehemaligen Königsresidenzstadt Mandalay. Von der ehemaligen Palastanlage ist nur mehr ein Gebäude im Originalzustand erhalten. Die Holzschnitzkunst ist überwältigend.

Etwas außerhalb liegt bei Amarapura die weltbekannte U Bein Brücke. Die mit über einem Kilometer wohl längste Teakholzbrücke der Erde wird von tausend filigranen, zum Teil auch bizarr verwitterten Pfeilern getragen. Besonders eindrucksvoll ist die Stimmung bei Sonnenauf- und -untergang. Vom Boot aus beobachten wir, wie Mönche in ihren Roben, Frauen mit schweren Kopflasten, aber auch Radfahrer die Brücke beleben. Märchenhafte Stimmungen in einem märchenhaften Land.

Vor zwei Jahren begann ein erster zarter politischer Frühling in Myanmar: Die Militärregierung verspricht, die Demokratisierung fortzusetzen. Seither nimmt der Tourismus, den das Land auch dringend benötigt, enorm zu. Das wunderschöne Myanmar ist jedenfalls eine Reise wert!

Peter Bernhaupt

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