Im Dienste der Biene

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Im Dienste der Biene

Wenn die Biene stirbt, stirbt auch der Mensch, das hat schon Albert Einstein gesagt. Keine Bienen, keine Pflanzen, keine Tiere und auch keine Menschen mehr. Anni Misthilger und ihre Tochter Barbara sind Imkerinnen und zum Schutz der Honigbiene unterwegs.
Kathrin Thoma-Bregar, Redaktion Bayern

Es sind die ersten warmen Frühjahrstage. Alles blüht, Amseln bauen emsig Nester für den Nachwuchs. Die Felder und Wiesen in Oberbergkirchen bei Mühldorf leuchten saftig hellgrün. Oberbayerische Voralpenlandschaft soweit das Auge reicht. Der Landkreis Mühldorf am Inn ist Bauernland, von jeher. Und mittendrin der Hof der Familie Misthilger. Auf der Weide blöken braune und schwarze Bergschafe, Hahn Gustav 1. kräht zur Begrüßung. Kater Franz streift neugierig ums Eck.

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Familie Misthilger: Barbara mit Kater Franz, Anni und Hans. Foto: Brigitte Sporrer

Klein angefangen
Tochter Barbara (24) empfängt die Gäste. Sie ist auf dem Weg zum Bienenhaus, den weißen Schutzanzug zieht sie gerade über. Wir folgen in sicherem Abstand und mit Respekt. Einen Stich will keiner riskieren. „Leider haben viele Leute Angst vor den Bienen, dabei sind es so schöne Tiere und sie tun so viel für die Natur“, schwärmt
Mutter Anni Misthilger (54) und geht mit.
Wir stapfen durch den weitläufigen Obstgarten. Das Ehepaar Misthilger hat das Anwesen 1987 gekauft. Sie wollten raus aufs Land. Sie träumten von einem kleinen Bauernhof, einem Dasein im Einklang mit der Natur. Von einem wertvollen Lebensraum, für Mensch und Tier. Tochter Barbara spielte schon als Kind lieber im Stall als im Zimmer.
Der Vater hat beim beim Einzug überall Bäume und Sträucher um den Hof gepflanzt, ein richtiger Wald ist daraus entstanden. Gut für die 20 emsigen Bienenvölker. Ihr Honig schmeckt würziger, wenn sie nicht nur Raps und Klee saugen. Die Bienen ins Haus brachte Mutter Anni.
Ihre Imkerleidenschaft begann mit einem Volk, das sie geschenkt bekam „Wenn man weiß was eine Biene alles leistet, sieht man sie mit ganz anderen Augen.“ Inzwischen ist Anni engagierte Imkerausbilderin mit eigener BioImkerei und Vorsitzende einer Erzeugergemeinschaft.

Honigschleudern ist Barbaras Aufgabe. Foto: Brigitte Sporrer

Honigschleudern ist Barbaras Aufgabe.
Foto: Brigitte Sporrer

Bienen haben Persönlichkeit
Im Frühjahr und im Sommer summt es am Hof in allen Ecken. Imker erkennen am Summton, ob die Tiere gerade friedlich gestimmt sind oder grantig, etwa weil ein Gewitter aufzieht. Auch Barbara ist Imkerin und fast fertig studierte Landwirtin. Sie hat ein feines Händchen für Tiere. Im Bienenstall ist sie die Ruhe in Person. Das mögen die sensiblen Tiere. „Bienen haben Charakter, jedes Volk ist unterschiedlich. Ist die Königin freundlich, ist auch der ganze Bienenstock freundlich“, erklärt sie.
Je nach Jahreszeit können in einem Bienenvolk um die 60.000 Insekten leben. Bienen machen nicht nur Honig, ohne ihre Bestäubung könnten sich Blütenpflanzen nicht vermehren. Es gäbe keine Tomaten, Kürbisse, Gurken, Kirschen, Äpfel, keinen Brokkoli, Raps und so weiter.
Das Honigschleudern gehört zu Barbaras Aufgaben. Sie schleudert nur kalt, so bleiben beste Inhaltsstoffe und natürliches Aroma erhalten.
Der Blütenhonig ist hell in der Farbe und schmeckt nach Frühling. Der Waldhonig ist dunkel, herb und würzig. Für Barbara ist Honig eines der wertvollsten Produkte der Natur. „Für ein Glas Honig muss eine Biene rund zweimal um die Welt fliegen.“

Foto: Brigitte Sporrer

Foto: Brigitte Sporrer

Pate für einen Bienenstock
In den letzten Jahren hat die Bienenpopulation in Deutschland stark abgenommen. Monokulturen, Klimawandel, Parasiten tun den Tieren nicht gut. Ab Ende Juli müssen Anni und Barbara zufüttern, damit ihre Tiere nicht verhungern. „Deshalb wollen wir die Menschen für Bienen sensibilisieren“, finden die beiden Imkerinnen und betreuen Bienenprojekte an Schulen in der Region. Dort pflegen 5.- bis 9.-Klässler dann unter ihrer Aufsicht ein Bienenvolk und machen sogar eigenen Honig. „Die Kinder sind immer voll bei der Sache und ganz ruhig und friedlich, da gibt es keine Hyperaktivität oder Rangeleien“, sagt Anni.
Auf dem Misthilger-Hof kann man sich außerdem ein Jahr lang als Imker auf Probe versuchen. Anni und Barbara stellen dafür Bienenvölker zur Verfügung, inklusive der gesamten Ausrüstung. Unter ihrer fachkundigen Anleitung lernt man alles von der Pike auf. Man kann auch eine Bienenpatenschaft übernehmen und so die biologische Haltung der Tiere unterstützen. Der Pate spendet pro Jahr einen Betrag und bekommt dafür Honig und Wachskerzen. Kontakt: www.bester-bienenhonig.de

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Familie Misthilger: Barbara mit Kater Franz, Anni und Hans.
Foto: Brigitte Sporrer

Im Bienenhäuschen ist Barbara die Ruhe in Person. Die Tiere mögen weder Stress noch hektische Bewegungen.

Fotos: Landratsamt Mühldorf/Florian Schönbrunner
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Fotos Bienen: Alekss – fotoia.com

Bis zu 170.000 Bienenvölker weniger
Es ist nicht nur ein deutsches Problem, sondern ein weltweites, dass zu viele Bienenvölker sterben, vor allem im Winter. Wissenschaftler betreiben schon lange fundierte Ursachenforschung. Mittlerweile weiß man, dass viele Faktoren die Bienengesundheit beeinflussen. Ganz oben stehen ein fehlendes und
abwechslungsreiches Nahrungsangebot, Einflüsse durch chemischen Pflanzenschutz, veränderte klimatische Bedingungen und die Varroamilbe, die Virenerkrankungen überträgt.
„Wir müssen uns nach diesem Winter leider auf ein sehr schlechtes Ergebnis einstellen“, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Imkerbundes e.V. (D.I.B.), Barbara Löwer. Sollten sich die Prognosen bestätigen, hieße das einen Verlust von bis zu 170.000 Bienenvölkern. „Sie fehlen im Frühjahr als Bestäuber für die Landwirtschaft und den Obstbau. Dies wird sich auf die Quantität und Qualität der Erträge auswirken und Einfluss auf die Frühjahrsernte bei Honig haben“, weiß Löwer.

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