Stimme_aus_Bayern

Kleiner ist feiner!

Riesige Einkaufszentren machen kleinen Einzelhändlern das Leben schwer. Buchhandlungen sterben aus, Tante-Emma-Läden sowieso. Schwimmhallen weichen für Erlebnisbäder. Klein aber fein: Gilt das eigentlich noch? Für Josef Loibl schon. Zusammen mit Max Berger führt er das Reichenhaller Park-Kino. Sie zeigen Filme mit Charme und setzen auf viel Kundenkontakt. Das kommt an. Das Lichtspielhaus gibt es seit über 60 Jahren. Es ist klein. Und fein.

Ich habe einen Lieblingsfilm. Sie werden ihn nicht kennen, fast niemand kennt ihn. Er heißt „Drei Männer im Schnee“ und ist von 1955. Erich Kästner hat die Romanvorlage geschrieben. Als der Film unlängst im Park-Kino gezeigt wurde, war ich selig. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind. Ich liebe dieses Kino.

Die Inhaber, Josef Loibl und Max Berger, können ihrem Publikum keine überdimensionierten Leinwände in riesengroßen Sälen anbieten, das Park-Kino verfügt gerade mal über 215 Sitzplätze. In modernen Lichtspielhäusern kann ein einziger Saal über 500 Gäste fassen.

Dafür punkten die beiden mit individueller Beratung, familiärer Atmosphäre und ausgesuchten Kinofilm-Produktionen. Blogbuster sind tabu. Viele ihrer Gäste kennen Josef und Max persönlich mit Namen und samt Filmgeschmack. Man fühlt sich bei ihnen ein bisschen wie zuhause. Das zieht.

Selbst Promis sind gerne da

Aber nicht nur wahre Cineasten lieben das Park-Kino, auch Schauspieler und Regisseure schauen gerne zu Filmprämieren vorbei. Filmemacher Marcus H.
Rosenmüller ist quasi Stammgast, Oscar-Preisträgerinnen Caroline Link war da, genauso wie Marianne Sägebrecht, Schauspieler Simon Schwarz oder Eisi Gulp – der präsentierte erst vor wenigen Tagen die neue bayerische Komödie „Winterkartoffelknödel“. „Die Promis kommen gerne. Bei uns werden sie ernst genommen, unsere Zuschauer sind noch nicht so überfüttert wie in den Großstädten“, weiß Josef Loibl.

Kinos mit Seele

Er und Max Berger sind nicht nur von Beruf Kinobetreiber, sie sind es mit Leidenschaft. Gemeinsam mit anderen inhabergeführten Filmtheatern im südlichen Oberbayern vermarkten sie sich unter dem Namen „Soulkinos“ – und bieten der überdimensionierten Konkurrenz erfolgreich die Stirn. „Man muss Nischen finden“, sagen sie.

Bei einer Sieben-Tage-Woche haben die zwei nur selten Kino-Auszeit. Und was machen sie dann am liebsten? Alte Filme auf der eigenen Leinwand anschauen, zum Beispiel „Vom Winde verweht“. Schön, finde ich. Fast so schön wie „Drei Männer im Schnee“.

Alle Beiträge aus Aktuelles


Facebook Icon