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„Der Kleine Prinz“ in Salzburg

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Mit Sätzen wie diesen begeistert „Der Kleine Prinz“ bereits seit Jahrzehnten ein breites Publikum.
Ein Artikel von Natalie Zettl

Diesmal gibt es das Kult-Stück als Oper – erstmals in Österreich. In einer Probenpause spricht Hauptdarstellerin Leonie Stoiber mit uns über die Aussagen des „Kleinen Prinzen“, ihre Karriere als Sopranistin und darüber, wie es für sie weitergehen wird.

Du stellst in der Inszenierung den Kleinen Prinzen dar. Was ist für dich die wichtigste Botschaft des Stückes?
Kurz gesagt, dass man sich immer sein inneres Kind bewahren sollte – dass man nie seine Fantasie verlieren sollte. Wir Erwachsenen neigen im Alltag dazu, in unseren Routinen zu versinken. Da bleibt scheinbar wenig Platz für das kleine Besondere wie zum Beispiel die Blume, die der Kleine Prinz so sehr liebt. Der Kleine Prinz macht sich auf und besucht viele verschiedene Planeten. Er trifft verschiedene Personen, die alle auf etwas Bestimmtes fixiert sind: Der Geschäftsmann beispielsweise will nur Geld und der König nur Macht. Der Kleine Prinz dagegen ist ganz neutral, völlig unvoreingenommen –  da könnte man sich durchaus etwas abschauen.

Kannst du uns einen Einblick in deine Rolle geben, was liegt dir besonders am Herzen? Gibt es eine Lieblingsszene?
Ich finde das Duett mit dem Fuchs wirklich wunderschön – da kommt auch der berühmte Satz vor: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar.“ Der Kleine Prinz findet in dieser Szene ein Rosenbeet und merkt, dass seine einzigartig geglaubte Rose nur eine von Tausenden ist. Das macht ihn sehr traurig, aber dann lernt er den Fuchs kennen, der ihm erklärt, dass Dinge oder Personen zu etwas Besonderem werden können, wenn man Zeit mit ihnen verbringt. Dadurch erkennt der Kleine Prinz, dass seine Rose doch einzigartig ist, wenn man es so sieht. Das ist eine sehr berührende Szene. Was mir an dieser Szene auch gut gefällt, ist die Widerspiegelung von Saint-Exupérys Leben – ich denke, seine Frau ist das Sinnbild der Rose. Sie hatten eine sehr turbulente Ehe und waren sich gegenseitig nicht immer treu. Aber auf gewisse Weise waren sie trotzdem einzigartig für einander. Auch die Musik passt wirklich gut zur Stimmung!

Apropos Musik: Was ist das Besondere an eurer Inszenierung? Worauf darf sich das Publikum besonders freuen?
Zunächst einmal ist es die erste szenische Aufführung in Österreich. Ich glaube, dass auch das Bühnenbild dazu beiträgt, dass wir da etwas ganz Spezielles auf die Bühne bringen. Wir setzen auf eine zeitgemäße Inszenierung, die auf übertriebene Sentimentalität verzichtet, dadurch kann man sich ganz auf die wunderbare, phantasiereiche Musik einlassen.

Wie ist es denn dazu gekommen, dass du für die Rolle des Kleinen Prinzen engagiert worden bist?
(Lacht) Social-Media-Marketing. Oder etwas genauer erzählt: Ich habe, als ich vierzehn oder fünfzehn Jahre alt war – also lange, bevor ich an eine Musikkarriere dachte –, den Komponisten Nikolaus Schapfl bei einer Weihnachtsfeier kennengelernt, da war das Stück gerade aufgenommen worden. Er hat mir eine CD geschenkt, die ich mir über die Jahre aufgehoben habe. Im Zuge einer Aufführung im Mozarteum mit dem Thema „Musik des 21. Jahrhunderts“ habe ich dann die vierte Arie aus dem Stück gesungen und das Ganze auf YouTube hochgeladen. Dort hat mich dann Hans-Josef Knaust entdeckt – genau zum rechten Zeitpunkt, da die ursprünglich eingeplante Sopranistin gerade ausgefallen war. Ich habe das Stück dann binnen einer Woche eingeübt, denn dann fand die Sponsorengala statt. Dort habe ich performt – und mich offenbar bewährt: Ich habe die Rolle bekommen.

Du sagst ja, als Jugendliche hattest du noch nicht den Wunsch nach einer Musikkarriere. Wann ist dann doch diese Idee entstanden?
Ich habe wirklich eher spät mit dem Singen begonnen. Klavier gespielt habe ich schon immer, aber meine ersten Gesangsstunden hatte ich erst mit siebzehn. Da hatte ich eine Gesangslehrerin, die mich inspiriert und die Liebe zur Oper in mir entfacht hat. Da hatte ich das erste Mal den Wunsch, Musik zu studieren, aber bis dahin war es noch ein langer Weg: Es ist sehr schwer, am Mozarteum aufgenommen zu werden – da kommen nur die Besten hinein. Ich habe drei Jahre lang Recht und Wirtschaft studiert, erst dann habe ich die Aufnahmeprüfung bestanden. Seitdem studiere ich am Mozarteum.

Hast du Vorbilder?
Ja, natürlich – es gibt viele, die mich inspirieren. Ich glaube, jetzt ist viel im Umbruch: Es gibt jetzt viele tolle Sängerinnen, die auch außerhalb der Opernwelt sehr bekannt sind, wie zum Beispiel Aida Garifullina. Aber eigentlich bin ich der Meinung, das eigene Vorbild sollte einem im Spiegel entgegenschauen. Man sollte jeden Tag versuchen, eine bessere Version von sich selbst zu werden.

Gibt es eine Rolle, die du unbedingt einmal spielen möchtest?
Am liebsten Susanna aus „Le Nozze di Figaro“. Sie ist einfach eine coole Frau, eine starke Frau. Außerdem mag ich es, auf der Bühne auch einmal „Blödsinn“ zu machen.

Wie wird es jetzt bei dir weitergehen, wenn „Der Kleine Prinz“ erfolgreich aufgeführt wurde?
Ich möchte im Juni 2020 den Abschluss am Mozarteum machen und dann heißt es, überall vorsingen. Was mich dann erwartet, da bin ich völlig offen.

Fotos: www.kaindl-hoenig.com
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