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Lächeln ist die Wunderwaffe

Auch wenn wir nicht reden, sagen wir etwas. Unser Körper kommuniziert, immer. Gesten, Mimik, Haltung – alles ist Sprache. Trainerin Sandra Meier hilft, sie zu verstehen und bewusst einzusetzen. Ein bewegtes Gespräch.
Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar
Fotos: Martin Köppl

Fotos: Martin Köppl

Wenn Sandra Meier spricht, dann mit Körpereinsatz. Ihre Hände unterstreichen das Gesagte. Ihr Blick ist offen, freundlich, sie strahlt Interesse und Souveränität aus. Die 40-jährige Pidingerin ist Expertin in Sachen Körper-sprache. Sie arbeitet als Coach für einen wirkungsvollen und souveränen Auftritt und macht Trainings zu den Themen Körpersprache und Teamentwicklung – für leistungsstarke Teams mit Seele. Und sie steht leidenschaftlich gern auf der Bühne.

Haben Männer und Frauen eine unterschiedliche Körpersprache?
Ja! Männer sind viel ausladender, größer, härter, sie nehmen sich ihren Raum. Sie lehnen sich zurück und verschränken die Arme hintereinander oder setzen sich breitbeinig in die U-Bahn. Frauen machen sich eher schmal und klein, sie schlagen die Beine übereinander und öffnen sich nur wenig. So hat man es uns beigebracht.

Die Business-Körpersprache ist männlich geprägt. Sollen Frauen das übernehmen?
Nein, weil es als schräg wahrgenommen werden würde. Das Gegenüber merkt sofort, dass da was nicht stimmig ist. Wir Frauen sollten Frauen bleiben, uns auf die eigenen Fähigkeiten besinnen und dieses innere Gefühl nach außen tragen. Also: Schultern zurück, aufrichten, lächeln.

Lächeln?
Ja, lächeln, lächeln, lächeln. Das kann man trainieren, einfach einen Stift zwischen die Zähne klemmen und draufbeißen. Der Körper kann das falsche Lächeln nicht vom echten unterscheiden und denkt: Die lächelt, ihr geht’s gut, da schütte ich doch mal ein paar Hormone aus, Endorphine zum Beispiel. Wenn die dann so in einem wuseln, ist das Gehirn glücklich, man ist fröhlicher, gesünder, kreativer.

Wenn Sie so lächeln, muss ich auch lachen.
Weil lächeln ansteckend ist. Man kann schwer weglachen, da sind wir bei den Spiegelneuronen: Je sympathischer einem sein Gegenüber ist, desto eher imitiert man dessen Körpersprache. Lehnt er sich zurück, macht man das automatisch auch. Fährt er sich über die Nase, fährt man sich auch über die Nase. So etwas ist ein gutes Zeichen!

Welche positiven Gesten sollte man noch verinnerlichen?
Positiv wirkt, wer aufrecht und hüftbreit auf dem Boden steht. Das Brustbein ist gehoben, die Schultern fallen entspannt nach hinten. Auch einladende offene Hände sind gut, so eine Art Predigerhaltung. Sie symbolisiert ein Miteinander, man gibt und nimmt. Will man Macht ausdrücken, würde man übrigens den Zeigefinger zum Deuten nehmen. Das kommt sehr dominant rüber. Die großen echten Gesten, wie sie Italiener machen, wirken lebendig. Sie unterstützen das gesprochene Wort, man muss einfach zuhören. Das heißt nicht, dass man wild um sich fuchteln soll, zu viel vermittelt einen unsicheren, hektischen Eindruck.

Und was sollte man nicht tun?
Mit den Haaren spielen beispielsweise. Körperliche Berührungen wirken für einen selbst zwar immer entspannend, auf den Anderen aber komisch. Es sei denn man flirtet. Dann zeigt man Hals oder neigt den Kopf und blickt schräg von unten nach oben.

Was ist mit verschränkten Armen?
Sie können eine Barriere markieren, weil jemand „dicht“ macht. Es kann aber auch bedeuten, dass sich jemand zurücknimmt und einfach nur aufmerksam zuhört. Oder dass jemand friert. Eine Geste muss nicht immer dasselbe bedeuten, es kommt auf die Situation an, man sollte stets das Gesamtbild mit in Betracht ziehen. Oft verschränkt man die Arme, wenn einem das Gegenüber einfach nur fremd ist, das muss nicht automatisch Ablehnung bedeuten.

Bei der Schauspielerei geht es viel um Körpersprache.
Absolut. Ich wollte schon immer Schauspielerin werden, schon beim ersten Krippenspiel in der Grundschule spürte ich diese ganz besondere Energie und liebte den Moment des Applauses. Ich wusste: Das ist meins! Trotzdem habe ich damals erstmal Sozialpädagogik studiert – ich dachte, ich muss was Gescheites machen – und nebenbei Theaterpädagogik. Was ich dort gelernt habe, habe ich während meiner Arbeitsjahre im Jugendamt durchaus gebrauchen können. Wer sich mit Körpersprache auskennt, kann andere Menschen lesen und aus eskalierenden Situationen viel schneller die Spannung nehmen.

Das ganze Leben ist also Theater?
Genau, und diesen Bogen spanne ich in all meinen Workshops, Vorträgen und Seminaren, obwohl viele zunächst eine Scheu davor haben. Dabei verwende ich lediglich Techniken aus dem Theaterbereich, um meine Inhalte anschaulich zu demonstrieren. Improtheater liefert enorm viele Antworten zu den Themen Präsenz, Wirkung, Agilität, aber auch Teamkommunikation und Agilität.

Und wie lässt sich das steuern?
Ich mache dazu gerne eine Übung: Ich lasse die Teilnehmer einen Raum betreten, in dem Menschen auf einem Podium sitzen. Vor ihnen sollen sie sich aufstellen, sie sollen sagen: Ich bin da. Dann müssen sie einmal ein- und ausatmen und den Raum wieder verlassen. Anschließend bekommt jeder nach seinem Auftritt ein Feedback, wie er gewirkt hat. Dann wird alles wiederholt, allerdings muss man sich diesmal vorher überlegen, wie man rüberkommen will: Souverän oder cool oder geheimnisvoll? Dieses Wort sagt man sich innerlich immer wieder vor, beim Hineingehen, beim Stehenbleiben, beim Zurückkommen. Ich garantiere: Man wird zu 100 Prozent anders wirken als beim ersten Mal. Weil sich die Körpersprache dem innerlichen Mantra anpasst.

Und wie funktioniert das in die andere Richtung?
Jeder von uns kennt diese Tage, an denen das Selbstwertgefühl im Keller hängt. Hier helfen Power-Posen. Zum Beispiel V-förmig die Arme nach oben strecken. Oder breitbeinig hinstellen und die Hände in die Hüfte stemmen. Die Wissenschaftlerin Amy Cuddy hat herausgefunden, dass die richtige Körpersprache die Stimmung ändern kann und dass bereits zwei Minuten Power-Posing den Testosteronspiegel deutlich anhebt und gleichzeitig das Stresshormon Cortisol reduziert.

Geben Sie uns noch einen Tipp mit.
Einer der mächtigsten Sätze, den wir uns selbst sagen können, ist: „Ich bin. Ich bin großartig.“ Probieren Sie es aus!

Foto: Martin Köppl

Foto: Martin Köppl

Sandra Meier gibt Workshops, leitet Seminare und hält Vorträge. Termine auf www.wirkungsvoll.info

Auf der Bühne kann man sie außerdem mit ihrer Improvisationstheatergruppe „Die Improfeten“ sehen. Impro-Theater heißt: Die Schauspieler gehen auf die Bühne, ohne zu wissen was kommen wird. Es gibt kein Drehbuch, keine vorgefertigten Abläufe, keinen einstudierten Text. Alles geschieht aus dem Moment heraus. Dabei ist das Publikum als Impulsgeber an der Entstehung der Szenen aktiv beteiligt.

Auftritte unter: www.die-improfeten.de

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Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Königin der Mimik

Ganz und gar nicht langweilig ging es beim Shooting für das Titelfoto dieser Ausgabe zu: Körpersprache-Expertin und Schauspielerin Sandra Meier bewies eindrucksvoll, wie aussagekräftig Mimik sein kann.

 

Ich? Ich soll auf das Cover der Bayerin?“, das war die erste Reaktion Sandra Meiers auf unseren Vorschlag, sie für den Titel dieser Ausgabe abzulichten. „Aber ich warne euch – ich bin nicht die klassische Beauty Queen!“ Und genau das war das schlagende Argument dafür, eine Frau wie sie als Cover-Model auszuwählen: stark, humorvoll, nie um eine Antwort verlegen, vielseitig und für jeden Spaß zu haben! Solche Frauen braucht das Land.

Styling vor der Kulisse des Untersbergs
Bei vollem Haus hieß es dann am Shooting-Tag: improvisieren. Kurzerhand wurde das Redaktionsbüro zum Styling-Tempel umgewandelt; Visagistin und Make-up-Artistin Sarah Samer schuf auf die ihr typische, unkomplizierte Art und Weise in kürzester Zeit eine Beauty-Atmosphäre zum Wohlfühlen.
Nach fachmännischer Begutachtung und ihrer Profi-Diagnose, wie sie Sandra Meiers ungekünstelte Schönheit am besten hervorheben könnte, ging es unverzüglich ans Werk. Natürliches Make-up war gefragt, das dabei jedoch die markanten Gesichtszüge betonen und Sandras Persönlichkeit gerecht werden sollte.
Mit Sarah Samer hatten wir einen echten Profi an unserer Seite – schon seit 2012 ist sie selbstständig tätig und betreibt in Itzing das „The Style Studio“, wo sie mit ihrem Team neben Make-up und Styling für besondere Anlässe (Stichwort: Brautstyling) auch Wimpernverlängerungen und Permanent Make-up anbietet.

Ein Gesicht – 1.000 Facetten
In Szene gesetzt wurde Sandra Meier schließlich im hauseigenen Fotostudio von Stephan Kaindl-Hönig. Hier zeigte sich, wie viele Gesichter eine Frau haben kann. Nur so viel: Entstanden ist eine ganze Reihe fantastischer Fotos – das schwierigste Unterfangen war, das beste daraus auszuwählen…

Doris Thallinger
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