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Kruzifix, noch eins

Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar

Kaum im Amt, sorgt Bayerns neuer Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für Aufruhr. Er fordert Kreuze. Ab dem 1. Juni sollen sie in den Eingangsbereichen jeder staatlichen Behörde hängen. Nicht als Zeichen einer Religion, sagt er. Sondern als Symbol „für die geschichtlich-kulturelle Identität und Prägung Bayerns“. Für christliche Traditionen und Werte. Aber welche eigentlich genau? Die zehn Gebote oder die neun Seligpreisungen, das Sakrament der Ehe oder die Gleichberechtigung? Wobei die ja eher gegen die Christen als von ihnen durchgesetzt wurde. Ist es nicht so, dass die praktizierte Religiosität abnimmt? Kirchgang an Weihnachten, ja, das gehört für viele noch dazu. Weil es so stimmungsvoll ist, wegen der vielen Kerzen und der Musik und so. Aber abgesehen von Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen zieht es unterm Jahr wenige wenige ins Gotteshaus. Gelebte Religion liegt nicht im Trend, daran wird wohl auch ein Kreuz-Befehl nichts ändern.
Trotzdem befürworten laut einer Umfrage rund 58 Prozent der Bayern Söders Forderung. Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, stützt die Position des Ministerpräsidenten. Dafür kommt von Kardinal Marx harsche Kritik. Er wirft Söder Spaltung vor. „Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden“, sagte der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz der „Süddeutschen Zeitung“. „Dann würde das Kreuz im Namen des Staats enteignet.“ Und dem stünde es nicht zu, zu erklären, was das Kreuz bedeute, so Marx.
Ausgerechnet die CSU, die die Vermischung von Religion und Politik gerne dem Islam vorhält, mischt nun selbst. Aus Wahlkampfgründen. Ob das gut geht? Beten, Herr Söder, beten.

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