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Tree-Skiing & Silberminenflair

In Park City suchten einst Abenteurer nach Silber. 2002 rangen Athleten bei den Olympischen Winterspielen um Edelmetall. Und heute toben sich Skifahrer im „Greatest Snow on Earth“ aus.
Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar

Anstehen? Heute nicht. Mit breitem Grinsen ziehen wir an den anderen Skifahrern vorbei. Auf unseren Jacken haftet noch frischer Powder. Kris Feddersen weiß, was deutsche Touristen suchen, wenn sie zum Skifahren in die USA kommen: Unverspurten Tiefschnee, fein und pulvrig. „Ski with a Champion“ heißt unser Programm an diesem wundervollen Wintertag in Deer Valley/Utah. Unser Guide Kris Feddersen – Spitzname „Fuzzi“ – ist dreimaliger Olympiasieger im Freestyle-Skifahren und in der US-amerikanischen Hall of Fame für Ski und Snowboard. Er kennt das Revier in- und auswendig. Er weiß, welche Areale besser am Vormittag, welche besser am Nachmittag zum Fahren gehen und wo man so gut wie immer durch Pulverschnee tanzen kann.
Wer mit ihm oder seinen Kollegen unterwegs ist, braucht am Lift nicht anzustehen. Wobei die Schlange sowieso übersichtlich ist: Snowboarder haben in Deer Valley keinen Zutritt und bei 6.500 verkauften Karten am Tag wird die Kasse dichtgemacht. Mehr Wintersportler dürfen nicht rein. Das Deer Valley Skiresort ist für seine luxuriösen Annehmlichkeiten bekannt. Die Verpflegung auf den drei Skihütten genießt einen exzellenten Ruf,genächtigt wird in Weltklassehotels und die Pistenpflege ist schier makellos.

Pulverschnee mit Prädikat
Deer Valley und Park City Mountains sind die zwei Ski-gebiete von Park City. Viele halten das Städtchen für eines der schönsten Skiorte Nordamerikas. Auf sechs 3.000 Meter hohen Bergen schlängeln sich schier unendliche Pistenkilometer, eine einzige große Spielwiese. Die Wälder reichen bis zu den Gipfeln hinauf, Naturslalom heißt hier Tree-Skiing. Innerhalb der Skigebietsgrenze darf man überall ins Gelände. Es gilt: „What you can see, you can ski!“ Das gesamte Areal von 27 Quadratkilometern wird von der Ski Patrol lawinenüberwacht. Im Sommer lichten sie in Absprache mit den Verantwortlichen des National Forest sogar die Waldstücke, damit Skifahrer sie im Winter besser durchfahren können. Und im Wald ist der Schnee oft am besten. Es ist nicht irgendein Pulverschnee, sondern der „Greatest Snow on Earth“. Das Prädikat, mit dem sich der amerikanische Wüstenstaat brüstet, prangt auf jedem Autokennzeichen in Utah. Der Pulverschnee ist hier so trocken, dass sich daraus nur schwer ein Schneeball pressen lässt. 762 Zentimeter Powder ist das höchste, was in Park City je gemessen wurde.

Fotos: Visit Park City, Kathrin Thoma Bregar

Auf der Jagd nach Edelmetall
2002 war Park City Austragungsort der Olympischen Winterspiele. Hundertausende Besucher aus der ganzen Welt füllten die Stadt. Sie feuerten ihre Stars zu Gold an. Vor 130 Jahren kamen die Menschen ebenfalls scharenweise nach Park City. Auf der Suche nach Silber. Die Armee fand 1868 Silberminen im Gebirgszug Wasatch Mountains und diese Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. 400 Millionen Dollar soll das Silber aus Park City eingebracht haben. Als die Vorräte zu Ende gingen und der Silberpreis in den 1930er-Jahren fiel, verkam der Ort zu einer Geisterstadt. Der Skisport rettete Park City. 1963 wurden die ersten Skifahrer noch durch den Silver King Minentunnel in einem Förderzug gefahren. Bis heute stehen alte Fördertürme und Minengebäude mitten im Skigebiet und die Main Street ist von alten Backsteingebäuden und pastellfarbenen Holzhäusern gesäumt.
64 Gebäude sind sogar im „National Register of Historic Places“ aufgeführt. Cafés, Restaurants, Galerien und Geschäfte reihen sich aneinander.

Eine Stadt mit Geschmack
Um die 150 Restaurants in Park City und Umgebung fahren mit einem vielfältigen Angebot auf. Vom gemütlichen Bistro bis zur gehobenen Küche. Handgefertigte Whiskys gibt es in der weltweit ersten und einzigen Ski-in-Brennerei, der „High West Distillery“ direkt an der Talstation des Town Lifts. Hier werden auch Wodkas hergestellt. Die Brennerei befindet sich zusammen mit einem Salon und einem Restaurant im alten Stall mit dem Namen „The National Garage“ und im angrenzenden historischen „Ellsworth J Beggs House“, einem zweistöckigen Kastenhaus, das 1907 gebaut wurde.
Wer sich in der „High West Distillery“ zwischen zwei Abfahrten ein Glas genehmigen möchte, sollte mindestens 21 Jahre alt sein und daran denken, seinen Personalausweis bei der Hand zu haben. Im Mormonenstaat Utah sind die Alkoholgesetze strikter als im Rest der USA. Bier, Wein, Cocktails und Schnaps werden nur an bestimmten Stellen, den Shops der Brauereien, den Brewpubs oder in staatlichen Liquor Stores verkauft. Und in den Restaurants, wenn man etwas isst. Wer sein Glas noch nicht leer gemacht hat, bekommt keinen Nachschub. Es wird nur ein leeres gegen ein volles Glas getauscht.
Park City liegt im Norden Amerikas und ist eines der am leichtesten zu erreichenden Skigebiete der USA, zum Flughafen nach Salt Lake City sind es nur rund 35 Minuten. Theoretisch ist es möglich, morgens am Strand von Los Angeles zu surfen und am Nachmittag noch ein paar Abfahrten in den Schnee zu legen. Park City ist außerdem die „Festivalstadt“ der Rocky Mountains. Jedes Jahr im Winter findet Robert Redfords „Sundance Film Festival“ statt. Dann ziehen Kinofans, Hollywoodstars und Filmsternchen durch die Stadt. Und die Pisten sind noch leerer.
Nach jeder Menge Carving-Schwüngen auf perfekt gebügelten Pisten, Baumslalom-Run und Tiefschnee-Rides brennen Oberschenkel und Waden. Champion Kris Fedderson geleitet uns zurück bis zu unserem Hotel „Stein Eriksen Residences“ mit eigenem Pistenzugang. Wir ziehen die Skier aus. In den Skiraum tragen muss sie hier niemand, das aufmerksame Hotelpersonal übernimmt alles für einen. Wer zu kalten Händen und Füßen neigt, bekommt am Morgen Handschuh- und Schuh-wärmer gereicht. Willkommen in Deer Valley, dem Erste-Klasse-Skiresort in den USA.

Fotos: Visit Park City, Kathrin Thoma Bregar

Reiseinfos
Hinkommen:
zum Beispiel mit Delta Airlines ab München mit Zwischenstopp in Atlanta oder mit Air France über Paris direkt nach Salt Lake City

Wohnen:
Park City Peaks, www.parkcitypeaks.com, Zimmer/Frühstück ab 159 USD, Suite ab 209 USD
Stein Eriksen Residences, steineriksenresidences.com, Zimmer ab 1.130 USD
Währung: 1 Euro entspricht circa 1,1172 USD

Ski with a Champion:
Halbtagspauschalen für eine Gruppe von sechs Personen ab 1.200 USD, www.deervalley.com/things-to-do/activities/ski-with-a-champion

Weitere Aktivitäten:
FatBiken im Schnee mit den Guides von White Pine Touring, whitepinetouring.com, geführte Snowmobile-Touren über Summit Meadows Adventures, www.deervalley.com/things-to-do/activities/snowmobiling

Essen & Trinken
High West Distillery, www.highwest.com, 703 Park Ave, Park City, UT 84060, Preisspanne: 9 bis 45 Euro
Tupelo, tupeloparkcity.com, 508 Main St, Park City, UT 84060, Preisspanne: 16 bis 43 Euro
Silver Star Café, www.thesilverstarcafe.com, 1825 Three Kings Dr, Park City, UT 84060

Mehr Infos unter: www.visitparkcity.com

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