philharmoniker

Philharmoniker zum Anfassen

Vor 150 Jahren war Bad Reichenhall ein aufstrebender Kurort und Treffpunkt der europäischen Hautevolee. Mit Musik wurde das erlauchte Publikum bei Laune gehalten. Es war die Geburtsstunde der Bad Reichenhaller Philharmoniker.
Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar
Fotos: Martin Köppl/dasmquadrat

Fotos: Martin Köppl/dasmquadrat

Die prachtvolle Konzertrotunde in der Wandelhalle im Königlichen Kurpark ist bis unter die von Säulen getragene Kuppel mit Brahms Sinfonie Nr. 2 erfüllt. Sophie Ferge spielt die erste Geige. Wenn sie ihr Instrument erklingen lässt, ist die Französin ganz bei sich. Sie wird eins mit den Noten, mit der Melodie. Ihr Platz ist ganz vorne, auf dem zweiten Stuhl von links, neben der Konzertmeisterin Yan Zang. Die Musiker sind absolut konzentriert, von den Geigern, über die Flötisten bis hin zu den Trompetern und den Schlagzeugern. Immer wieder lässt Chefdirigent Christian Simonis Passagen wiederholen. Noch mal und noch mal, bis sein geschultes Gehör zufrieden ist.
Sophie Ferge ist in Paris geboren, ihre Kindheit war von Musik geprägt. Sie wollte immer eine Geige haben, erzählt sie später in der Pause. „Man kann damit so viel Emotion ausdrücken. Von Wut bis Zärtlichkeit, dieses Instrument bietet die ganze Palette.“ Die 42-Jährige studierte in ihrer Heimatstadt, ging dann ans Salzburger Mozarteum und spielte in verschiedenen Ensembles, von großen Jugend- bis zu kleinen Kammerorchestern. Seit über 14 Jahren ist die Französin bei den Bad Reichenhaller Philharmonikern und mit dem Kollegen und Klarinettisten Tamás Ferge verheiratet. Ihre beiden Kinder wachsen mit Musik auf, so wie sie selbst.

Alle Konzerttermine gibt es auf www.bad-reichenhaller-philharmoniker.de, Karten können online bestellt werden.

Fast jeden Tag einen Auftritt
Vielleicht war es ein kalter, schneereicher Wintertag, vielleicht schien auch die Sonne, als am 6. Februar 1868 in Bad Reichenhall der erste Kurmusikvertrag unterschrieben wurde. Fortan avancierten die täglichen Konzerte des Orchesters zum gesellschaftlichen Ereignis, das sich das internationale Badepublikum nicht entgehen ließ. Man lauschte, flanierte, sah und wurde gesehen. Das Flair: weltmännisch und exklusiv.
Als Gründungsvater der Philharmoniker ging der Königlich Preußische Musikdirektor Josef Gung’l in die Geschichte ein, die bis heute eine Erfolgsgeschichte ist. Wenn auch nicht ohne Höhen und Tiefen. Zwei Weltkriege gingen nicht spurlos an dem Ensemble vorüber. Der promovierte Musikwissenschaftler Dr. Wilhelm Barth war es, der nach harten Kriegsjahren Ende der 1940er Jahre der Musik in Reichenhall wieder neuen Schwung gab. Er gilt als Begründer des Philharmonischen Orchesters. Er erweiterte das Repertoire, ohne aber die Tradition der Kurmusik zu vergessen, wie keiner seiner Nachfolger.
„Die Kurmusik macht uns immer noch besonders, sie hebt uns von anderen Orchestern ab. Wir spielen große Beethoven-Sinfonien, aber eben auch leichte Serenaden oder Opernfantasien“, sagt Sophie Ferge. Rund 500 Stücke, von der Schlagermelodie bis hin zum Musical, kann das Orchester spontan darbieten.

Alle Konzerttermine gibt es auf www.bad-reichenhaller-philharmoniker.de, Karten können online bestellt werden.

Alle Konzerttermine gibt es auf www.bad-reichenhaller-philharmoniker.de, Karten können online bestellt werden.

Klassik für alle
Die Bad Reichenhaller Philharmoniker sind heute das einzige philharmonische Orchester Deutschlands, das auch die Tradition der Kurmusik weiterhin pflegt. Es spielt auf höchstem NIveau und mit rund 350 Auftritten das ganze Jahr hindurch. Kurkonzerte gibt es fast täglich, dazu Matinéen, Salonkonzerte, Wunschkonzerte und Kammermusikabende. Die „Philharmonischen Konzerte“ werden von internationalen Solisten bereichert.
Sie gehören zu den besten ihres Faches: Ingolf Turban, Adrian Oetiker, Wen-Sinn Yang. Bei den Konzerten geht es geht es um den ganzen Reichtum klassischer Musik, von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ über Mozarts „Figaro“-Ouvertüre und Beethovens „Pastorale“ bis zu Chopins und Tschaikowskys großen Klavierkonzerten. Unter den Sinfonien finden sich Mendelssohns „Schottische“, Mozarts „Jupiter“, Schuberts „Unvollendete“, Tschaikowskys Rokoko Variationen und Griegs Peer Gynt Suite.
Oft wird klassische Musik als elitär bezeichnet, als etwas für Gebildete oder Kenner. Diesem Klischee wirken in Bad Reichenhall Sophie Ferge, ihre Kollegen und Chefdirigent Christian Simonis entgegen. Sie ver-stehen Musik als Ausdrucksfreude des Lebens. Die Philharmoniker machen die große Klassik nahbar, erlebbar. Sie treten in Kontakt mit dem Publikum, suchen den regen Austausch. Viel zur Nähe beigetragen hat das jährliche Open Air Sommerkonzert „Der Thumsee brennt!“. Da sitzen dann in lockerer Atmosphäre Familien unterm Sternenhimmel, packen Picknickkörbe aus und lassen sich von der Musik bezaubern. „Wir sind ein Orchester zum Anfassen“, sagt Sophie Ferge. „Man kennt uns und die Menschen sprechen uns überall an, auch wenn wir privat unterwegs sind. Das freut mich immer wieder.“

Christian-Simonis1985 übernahm Christian Simonis von Dr. Wilhelm Barth die musikalischen Geschicke der Bad Reichenhaller Philharmoniker. Seit 2015 leitet der gebürtige Wiener das Orchester erneut.

Was zeichnet die Bad Reichenhaller Philharmoniker aus?
Die außergewöhnliche Musizierfreude und die Stilsicherheit, egal ob Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms, Johann Strauss oder Franz Lehár auf dem Programm stehen. Damit drückt sich auch die
musikalische Bandbreite aus, die natürlich weiter bis zu Musical- und Filmmusikkonzerten reicht.

Die Förderung junger Solisten und Dirigenten liegt Ihnen am Herzen.
Die Bad Reichenhaller Philharmoniker und ihre Chefdirigenten, allen voran Dr. Wilhelm Barth, haben bereits vor 60 Jahren begonnen, junge Instrumentalsolisten und Dirigenten zu Konzerten einzuladen. Sie gehören somit zu den Pionieren der Förderung junger Künstler. Seit mehr als 30 Jahren gibt es Schülerkonzerte und Konzerte mit der ört-lichen Musikschule. Auch da waren die Philharmoniker ihrer Zeit weit voraus. Dieses Engagement führen wir mit viel Ideenreichtum und Freude fort.

Was erwartet das Publikum im Jubiläumsjahr?
Wir haben uns entschlossen, das ganze Jahr zu feiern und so erwartet das Publikum noch eine Vielzahl von besonderen Konzertprogrammen: Das beliebte Open Air Event für die ganze Familie „Der Thumsee brennt!“ am 21. Juli, die „Philharmonische Klangwolke“ am 24. August, spannende Philharmonische Konzerte im Theater und in der Konzert-rotunde, unser „Philharmonikerball“ am 20. Oktober und vieles mehr.

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