Reich werden am Högl

Früher waren die Menschen vielleicht mehr am Högler Sandstein interessiert. Heute sind die sanften Kuppen zu jeder Jahreszeit ein gefragtes Wandergebiet.
 Ein Artikel von Christian Heugl

Der Högl ist kein richtiger Berg, aber auch kein Hügel. Eben ein Högl, aber was für einer! Und außerdem gibt es zwischen Piding, Anger und Ainring nicht nur
einen Högl, sondern den Johannishögl, den Kleinhögl, den Ulrichshögl und den Steinhögl. Sie alle eignen sich bestens für spätherbstliche Entdeckungen. Dort oben etwa in der unscheinbaren Kirche am Johannishögl verbirgt sich hinter dem massiven Holztor ein unvermuteter Schatz, ein wahres Juwel aus der Zeit der Gotik. Als unten im Tal die großen Kirchen barockisiert wurden, konnte sich in der abgeschiedenen Berg-kirche am Johannishögl ein kleiner, spätgotischer Flügelaltar behaupten. Armut kann also auch durchaus reich machen, selbst wenn der Wert manchmal erst 500 Jahre später erkannt wird.

Steinreich am Högl

Aber auch der Högl selbst gibt seine inneren Werte auf den ersten Blick noch nicht Preis. Da muss man zuerst etwas in die Tiefe gehen bzw. an der Oberfläche kratzen. Dann kommt jener Sandstein zum Vorschein, dem der Högl weit über die Grenzen hinaus seinen Ruf als hochwertige Baustoffquelle zu verdanken hat. Der Högler Sandstein war ein gefragter Rohstoff, der auch heute noch in Form von unzähligen Altären, Wegkreuzen, Türportalen oder Fenstereinfassungen im ganzen Land präsent ist. Nur die vielen Kugelmühlen von damals sind beinahe alle verschwunden. Für diesen weit verbreiteten bäuerlichen Zuverdienst war der Högler Sandstein der wichtigste Bestandteil. Die Schleifscheiben aus den Högler Brüchen hatten den allerbesten Ruf, denn dieser Sandstein garantierte durch den hohen Quarzanteil eine besonders lange Lebensdauer. Die hochwertigen Schleif- und Wetzsteine wurden von München bis nach Wien exportiert.

Keine Angst! Hier beginnt der Weg.

Ein Weg zum Hinschauen. Wer beobachtet wen?

Am Krippenweg von Bicheln auf den Johannishögl.

In der St. Erasmus-Kirche in Bicheln wurden
wertvolle Fresken entdeckt.

Waldgeister und Kripperlroas    

Es gibt auch noch ganz andere Högler Raritäten aus vergangenen Zeiten. Dazu gehören ganz gewiss die zauberhaften Waldgeister, die bald nach dem Ausgangspunkt am Panoramaweg Richtung Jeching auftauchen. Ihre Mission haben sie vielleicht schon erfüllt, denn von dem stinkenden Ungeheuer, dass sich hier nach dem Willen der Straßenplaner durch die schönen Äcker und Wiesen fressen soll, hat man schon lange nichts mehr gehört. Aber sicher ist sicher, die Waldgeister sind auf der Hut!Ein anderes Schauerlebnis gibt es nur in der „staden Zeit“. Da werden bei einigen Höfen am Högl zum Teil lebensgroße Krippen aufgestellt und erzählen den Vor-übergehenden die wundersame Geschichte der Heiligen Nacht. Eine besonders schöne Krippe ist etwa beim Gehöft Hofer oberhalb der bekannten Reiteralm aufgebaut. Eine andere Krippe ziert den Hof am unten erwähnten Weg von Bicheln auf den Johannishögl.

Über Bicheln auf den Johannishögl (Tour 1)
Startpunkt ist der Bahnhof in Hammerau. Von dort geht es parallel zur Bahnlinie 200 Meter Richtung Süden, dann rechts über die Gleise nach Bicheln. Das hübsche St. Erasmus-Kirchlein dort stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert. Beim Irlbauer vis-a-vis zweigt der Weg 10 auf den Johannishögl, dann nach rechts ab. In der Weihnachtszeit werden die Spaziergänger beim nächsten Hof, am Ende der Zufahrt, von einer liebevoll gestalteten Krippe verzaubert. Bis zur malerischen Kirche auf dem Johannishögl verläuft der Weg nun etwas steiler im Wald, von dort oben aber öffnet sich ein grandioser Blick auf das Salzburger Becken.

Der Abstieg führt zur nahen Gastwirtschaft Johannishögl (Mo. Ruhetag) und folgt dann für 1,3 Kilometer der Zufahrt. Kurz nach dem Gehöft Schwaig zweigt die Richtung „Piding Wanderparkplatz“ nach links ab, die dann 500 Meter später auf den links abgehenden Forstweg nach „Hammerau“ trifft. Über diesen schließt sich nach 2,5 Kilometer in Bicheln die Runde.

Gehzeit: 2,5 Std.
Länge: 8 km
Höhenmeter: 250 Hm
Charakter: Familienfreundliches Wandergelände. Feste Schuhe notwendig. Bei Schnee oft ausgetreten.

Anfahrt: über die A 8, Abfahrt Piding oder über Frei-lassing auf der B 20 nach Hammerau, Bahnhof. Parkplätze vorhanden. S Bahn ab Sbg. Hbf.

Über Kleinhögl auf den Johannishögl (Tour 2)
Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz nahe Piding, links an der Högler Straße, bevor die Steigung beginnt. Die Route folgt der Richtung Neubichler Alm, zuerst über den Panoramaweg, dann über Forst- und Waldwege und schließlich 400 Meter entlang der Straße nach Kleinhögl. Dort zweigt die Route zur Neubichler Alm wieder nach rechts in den Wald ab. Bei einer Gabelung entweder über einen kurzen Umweg zur Gastwirtschaft Neubichler Alm (bis Jahresende geschlossen) oder gleich direkt auf den Johannishögl. An der Kirche und der Gastwirtschaft Johannishögl vorbei folgt der Abstieg 1,3 Kilometer der wenig frequentierten Zufahrtstraße, dann zweigt ein 25-minütiger Waldweg auf den Wanderparkplatz nach links ab. Am Fuß der sanften Erhebung befindet sich ein interessanter Lehrweg, aber auch die exponiert gelegene Johanniskirche wenige Meter oberhalb eröffnet schöne Aus- und Einblicke.

Gehzeit gesamt: 3 Std.
Länge: 9 km
Höhenmeter: 300 Hm
Charakter: Familienfreundliches, südseitiges Wander-gelände. Manchmal etwas unübersichtlich markiert. Feste Schuhe notwendig.

Anfahrt: Auf der A 1 bzw. A 8 über den Walserberg zur ersten Abfahrt Piding. Bei der Gabelung links, nach 500 m wieder links Richtung Högl. Wanderparkplatz (links) nach 700 m.

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