Sie bloggt und rockt die Kuchl…

Sie bloggt und rockt die Kuchl…

… und das tut Catrin Neumayer (29) am liebsten im Dirndl und mittels Blumenkranzerl gebändigtem dunklem Haar: „cookingCatrin“ ist längst nicht mehr ausschließlich Food- und Lifestyle-Blog, sondern eine etablierte Marke. Beim Live-Cooking hat sie uns mit ihrem Enthusiasmus und ihrer Zielstrebigkeit förmlich eingekocht.
 Ein Artikel von Andrea Kocher

Besser nicht den Mini-Gugel auf einmal naschen! Wenngleich er mit gut zehn Zentimeter Durchmesser durchaus mit einem Schnapper vernichtet werden könnte. Es steht hier nämlich ein Rahmkoch-Mini-Gugel von cookingCatrin zum Verzehr. Und das macht, wie hierzulande jeder weiß, richtig satt. Das Lungauer Marzipan, oder „Almmarzipan“, wie die Hobbyköchin und tüchtige Jungunternehmerin es in ihrem neuen Kochbuch vorstellt, bleibt Nummer eins unter den traditionellen Süßspeisen. Also, lieber stückchenweise, und dafür so richtig genießen…

Am Jagglerhof im Salzburger Lungau hat Catrin Neumayer, gebürtig in Ramingstein und nun in Klagenfurt zuhause, speziell für uns die Traditionsspeise neu in Szene gesetzt. Hausherr Leo Kocher zieht sich ausnahmsweise aus seinem Reich zurück, und Catrin räumt in ihrem herzlichen Kärntner-Lungauer-Dialekt-Mix mit einem Vorurteil auf: Es ist eine Mär, dass nur gewisse Bäuerinnen und Großmütter der Kunst des Rahmkoch-machens kundig sind. Catrin lacht, und sie entgegnet allen Spekulationen, während sie die „Gugel“ schwungvoll aus der Form auf das Holzbrett stülpt. Wirklich eine nette Alternative zu den Rehrückenformen, wie sie für die Zubereitung des Rahmkochs eigentlich üblich sind! „Am sichersten ist es, wenn man die Gugel in der Silikonform macht, weil sie sich besser lösen lassen“, rät die 29-Jährige. Traditionen in Ehren, und die ursprünglichen Formen geschätzt, aber für Catrin steht beim Kochen eben das Unkomplizierte, Einfache und Praktische, die Abwechslung am Herd und gesund essen an erster Stelle. Das hat die Hobbyköchin schon immer so vermittelt.

Schreiben, stylen, dekorieren

Ihre Leidenschaft trägt sie als cookingCatrin in das World Wide Web hinaus. Längst ist es nicht mehr allein ihr Food- und Lifestyle-Blog, den sie recht unbekümmert aus Interesse begann. Dass das Internet-Tagebuch schnell Eigendynamik entwickelte und der begabten Schreiberin, studierten Kommunikationswissenschafterin und berufserfahrenen Marketerin neue Karrieretüren öffnete, war anfangs wohl nicht abzusehen. Mit Lebensgefährte und Fotograf Carletto Ferrari an ihrer Seite wurden daraufhin mehrere Kompetenzen zu einem einzigartigen Gesamtkonzept geschnürt. Foodstyling und -fotoshootings, Tasty-Videos und Life-Cooking im Fernsehen und auf Messen sowie „Kulinarische Entdeckungsreisen“, all das stellt die Marke cookingCatrin dar. Auch Söhnchen Matteo (2) hat einen eigenen Blog, in dem Catrin die Usergemeinschaft mit Baby-und-Mama-Inhalten füttert. Zum Liebkind hat sie sich außerdem ihre Deko- und DIY-Ideen (Do-It-Yourself) erklärt: Je nach Jahreszeit und Anlass kleidet die 29-Jährige ganze Essräume und Veranden in Stil und Farbe. „Ob maritim-blau für die Sommerparty, blasses Mint und kitschiges Pink für das Vintage-Arrangement oder aktuell stimmungsvoll-weihnachtlich: Ich habe mittlerweile Dekoartikel in allen Ausführungen und Farben, das ist schon eine ganze Menge!“, erzählt Catrin. Bei dieser Vielfalt möchte man doch direkt in die Regale von Speicher und Keller im Haus der Familie Neumayer-Ferrari in Klagenfurt blicken, oder?

Erst die Suppe, ein süßliches Vergnügen

Moment einmal! Den Rahmkoch-Mini-Gugel stellen wir schnell noch zur Seite. Die Vorfreude sei gezügelt, denn – und wie oft haben unsere Kinderohren das am Esstisch gehört – erst wird die Suppe gegessen! Catrin schält und schneidet Karotten, Zwiebel und Knoblauch. Eine „Siasse Muaggen-Supp’n“, siehe Seite 68 in ihrem jüngst erschienenen ersten Kochbuch, wird es werden. „Die Zubereitung ist sehr einfach und der Orangensaft gibt der Suppe den besonderen Geschmack“, erklärt sie. Generell hält es Catrin bei ihren Rezepten mit dem Motto „einfache Zubereitung und Zutaten, die man das ganze Jahr über bekommen kann“. Optional dazu gibt’s von der Hobbyköchin, die am Frischmarkt ebenso einkauft „wie jeder andere auch“ im Lebensmittelgeschäft, immer einen Tipp, wie man das kulinarische Ergebnis noch verfeinern kann. Frische Korianderblättchen statt der Petersilie und Ingwer wären es im Fall der Karottensuppe, die so „asiatischer“, also würziger wird.

Wirbelwind zwischen Herd und Anrichte

Das Treffen am Jagglerhof ist ein gewisses Nachhausekommen für die attraktive 29-Jährige. Catrin trägt ein Dirndlkleid, ihr Markenzeichen, das Blumenkranzerl und ihre dunkel getuschten Augen. Sie kredenzt die Suppe und legt sogleich mit dem Hauptgericht los. Passend zur Jahreszeit kocht sie ein „Herbsthendl mit Vogerlsalot und Ofenkiawis“. 45 Minuten später bettet sie die knusprigen Keulen auch schon auf marinierte Radicchioblätter und gibt die Kürbisstreifen und Zwiebelspalten bei, die sie mühelos im Ofen mit garte. Noch geschwind mit Feldsalat garniert, und dann zum Tisch! Zack-zack geht alles bei Catrin, das hat ganz und gar nichts von Heimchen am Herd, im Gegenteil. „Wir haben oft zig Foodshootings am Tag, machen für Kataloge, Magazine und andere Veröffentlichungen tausende Fotos. Da muss alles schnell gehen, sonst kommst nicht voran“, erzählt das Energiebündel aus
ihrem busy Berufsalltag.

Hätte Großmutter bloß nicht immer ausgerechnet ihre besten Rezepte im Geheimfach versteckt! Da musste erst Catrin kommen, mit ihrem jugendlichen Motto: Rock die Kuchl! Sich austauschen und sich immer und überall inspirieren lassen, das ist heute ganz normal. Inspiration, für Catrin ohnehin ein gutes Stichwort. Denn in puncto Menüzusammenstellung und Kochtechnik will sie nicht zwanghaft Neues erfinden. „Ich habe vieles ausprobiert und vieles ist von selbst entstanden. Das Blechgemüse mit Speck zum Beispiel war das Ergebnis in einem Workshop, weil wir Farbe auf die Teller bringen wollten. Ich koche gerne, und ich koche eben anders als ein gelernter Koch. Das gefällt den Leuten. Vor gut zweieinhalb Jahren habe ich angefangen, unser eigenes Essen zu fotografieren und online zu stellen. Das ist jetzt auch noch so, nur dass halt das Umfeld anders ist, und es nicht mehr unser Essen ist.“

Frischgebacken: cookingCatrin und Carletto präsentieren ihr erstes Kochbuch

Gut 800 Kochempfehlungen haben sich bislang auf www.cookingcatrin.at gesammelt. 90 Rezepte, darunter einige Lieblinge aus dem Blog und großteils neue Kreationen, haben Catrin und Carletto in ihr Österreichisches Kochbuch gepackt: „Echt.Fesch.Gekocht“ ist der Titel des 220 Seiten Schmökers mit 5.000 Erstauflage. Erschienen im Münchener Christian Verlag, sollte Cooking Catrin schon bald auch den deutschen Markt erobert haben. Die Rahmkoch-Mini-Gugel sind inzwischen verspeist. Es blieben sogar noch zwei übrig zum Mit-Nach-Hause nehmen. „Bitte sehr“, lacht die Gastgeberin, „ich kann schon längst nicht mehr alles selbst essen, was ich koche!“ Was zu Weihnachten auf den Tisch der Familie Neumayer-Ferrari kommt, möchten wir aber schon noch zu gerne wissen: „Fisch. Aber genau weiß ich es noch nicht. Es gibt bei uns jedes Jahr etwas anderes, meistens mache ich ein großes Menü mit vielen kleinen Gängen“, sagt Catrin und fügt augenzwinkernd hinzu: „Gekocht wird das, auf was ich gerade Lust habe!“

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