Tatort Bayern Hände hoch oder lesen!

Tatort Bayern Hände hoch oder lesen!

Kathrin Thoma-Bregar, Redaktion Bayern

Von wegen Postkartenidylle. Kreuz und quer durch Bayern wird erpresst, geraubt, gemordet. Krimis mit Lokalkolorit boomen. Die Provinz wird zum Lieblingsschauplatz. Es fahnden leicht schrullige Ermittler nach noch schrulligeren Verbrechern. Beliebter Fokus der Ermittlungen: zwielichtige Bauträger, korrupte Bürgermeister, fremdgehende Geistliche. Oft verwendete Buchcover-Bilder: karierte Tischdecke mit Bierkrug, Kuh, Hirschgeweih, Tracht. Gehen Sie mit uns auf Verbrecherjagd, der Traktor steht schon bereit.

Fotos Susanne Schleyer – autorenarchiv.de

Polizisten lieben Leberkäse

„Ich möchte die Leute zum Lachen bringen“, hat Autorin Rita Falk in einem Interview gesagt. Und das macht sie bestens. Ihre Geschichten um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer sind nie sinnlos brutal, sie sind schräg, lustig, oft zum Wegschmeißen. Mit „Winterkartoffelknödel“ schickte sie ihren Ermittler erstmals los. Allerdings war der Anfang steinig. Reihenweise lehnten die Buchverlage ihr Manuskript ab. Bis sie endlich an den richtigen Agenten geriet.

Sieben Bände umfasst die Eberhofer-Serie mittlerweile, ein Ende ist nicht in Sicht. Was den Franz auszeichnet? Er sagt, was er denkt, auf bayerisch, eh klar. Seine Familie hat einen leichten Hau, vom Vater bis zur Oma. Franz Revier: Niederkaltenkirchen, ein fiktives Nest im niederbayerischen Nirgendwo.

Foto: Constantin Film Verleih GmbH – Bernd Schuller

Auch als Kinofilm schlägt Eberhofer ein: „Winterkartoffelknödel“, „Dampfnudelblues“ und „Schweinskopf al dente“ sind Kassenschlager. In der Hauptrolle Sebastian Bezzel. Rita Falk selbst hatte ihn als Franz Eberhofer vorgeschlagen. Er sei einfach der Eberhofer, sagt sie und dass sie ihn schon beim Schreiben ihres ersten Krimis im Kopf gehabt habe. Als sie dann die Casting-Mappe zu Gesicht bekam, Bezzel aber nicht darin vorkam, schlug sie ihn kurzerhand vor und hatte Erfolg. Halleluja!

Den Grundstock für Rita Falks amüsante Unterhaltung liefern ihre eigenen biografischen Wurzeln. Sie sagt von sich selbst, dass sie die schönste Zeit ihres Lebens in Oberbayern verbracht hat, wo sie bei der Oma aufwuchs. Außerdem schöpft sie aus den Storys, als ihr Mann Robert noch bei der Polizei gearbeitet hat. Wie praktisch. Vor allem auf Weihnachtsfeiern und Sommerfesten sammelte die Mutter von drei erwachsenen Kindern Stoff ohne Ende. Dass der Eberhofer ständig Wurst und Leberkäse futtert, ist klar. Immer wenn sie ihren Mann bei der Arbeit angerufen hat, sagte er so was wie „Wir gehen jetzt Leberkäs essen“, oder „Jetzt waren wir gerade Leberkäs essen“. Logisch, dass der aktuelle Eberhofer-Krimi „Leberkäsjunkie“ heißen muss.

Foto: DroemerKnaur

Glaubhafte Ermittlungsarbeit statt Freak Show

Auch Andreas Föhr hat einen persönlichen Bezug zu seinem Tatort, dem Tegernsee. Die Kulisse für Mord und Totschlag ist wahrlich prächtig. Grandiose Bergketten, spiegelglattes Wasser, Geranienfülle, Beschaulichkeit. Hier ist der 58-jährige Autor aufgewachsen, hier lässt er den ewig frierenden Kommissar Wallner und den querschädeligen Polizeiobermeister Kreuthner fahnden.

Beide sind Charakterköpfe, aber ganz unterschiedlich. „Kreuthner ist ein Zufallsprodukt“, sagt Andreas Föhr. „Ich brauchte am Anfang von „Prinzessinnenmörder“ jemanden, der die Leiche findet. Warum nicht ein Polizist, dachte ich, der kann dann ja auch im weiteren Verlauf noch eine Rolle spielen. Aber was macht der frühmorgens auf dem Spitzingsee? Er hat die Nacht durchgezecht, klar. Nur sollte er dann ja nicht Autofahren. Es sei denn, er schert sich nicht um die Gesetze. So kam eins zum anderen und mir fielen schnell ein paar markante Menschen aus meiner Zeit am Tegernsee ein, aus denen ich Kreuthner dann letztlich zusammengesetzt habe. Kommissar Wallner hingegen sollte eigentlich viel schräger und skurriler ausfallen. Aber dann gab es so viele schräge Figuren in der Geschichte, dass es mir besser erschien, ihn als Normalmenschen und ruhenden Pol anzulegen, damit das Ganze nicht zur Freak Show gerät. Ich will, dass die Ermittlungsarbeit glaubhaft erscheint.“ Schließlich ist Föhr studierter Jurist. Er arbeitete einige Jahre bei der Rundfunkaufsicht und als Anwalt, bevor er übers Drehbuchschreiben (Der Bulle von Tölz, SOKO 5113) zum Krimi kam. Für sein Debüt „Prinzessinnenmörder“ bekam er den Friedrich-Glauser-Preis, „Schwarze Piste“ war monatelang unter den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste.

Andreas Föhr lebt bei Wasserburg am Inn und sagt: „Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die mit ihrem Hobby so viel Geld verdienen, dass sie davon leben können. Schreiben ist nach meiner Frau das Wichtigste in meinem Leben und wird es hoffentlich bis ins hohe Alter bleiben.“ Der 7. Wallner-Fall soll im Juni 2017 erscheinen.

Foto: Anita Berger

Beliebte Gefahrenzone: See

Während für Andreas Föhr der Landkreis Miesbach das Zentrum seiner Fan-Gemeinde bildet, ist es für Autor Thomas Bogenberger die Region um den Chiemsee und für Christoph Merker das Berchtesgadener Land. Kommissar Hattinger ist Bogenbergers Hauptperson. Er lässt ihn dort agieren, wo er selbst lebt, in und um die Marktgemeinde Prien. Wie seine Charaktere beim Schreiben entstehen, hat Bogenberger in einem Interview mal so beschrieben. „Sie entwickeln sich mit jedem Satz, mit jeder Seite des Romans. In meinem Kopf läuft ein richtiger Film ab.“ Inspiration findet er in den bayerischen Ureinwohnern, denen er „liebevoll aufs Maul schaut“ und die er trotzdem ernst nimmt, in all ihrer Verschrobenheit.

Thomas Bogenberger wurde 1952 in Traunstein geboren. Nach einem abgeschlossenen Medizinstudium zog es ihn auf die Bühne, wo er schon als 16-Jähriger Karriere als Musiker machte. Neben den Krimis komponiert er Film-, Hörspiel- und Theatermusik. „Hattinger und die Schatten“ ist der dritte und aktuelle Band. Band 1 und 2 hat das ZDF mit Michael Fitz als Kommissar Hattinger verfilmt.

Foto: Christoph Merker

Bei Christoph Merker gerät die 64-jährige Katherl Brandner von einem Mordfall in den anderen und nimmt spontan und unkonventionell die Ermittlungen auf. Unterstützung erhält sie von Bauer Wasti. „Wer mordet schon am Königssee?“ ist eine Art krimineller Freizeitführer. In elf Kurzkrimis wird die Gegend rund um den bekannten Bergsee zum abenteuerlichen Schauplatz.

Immer mehr Auswahl

Die Liste der Regionalkrimi-Autoren ist lang. Und wird immer länger. Eifel-Krimis, Schwaben-Krimis, Berlin-Krimis, Friesen-Krimis, Alster-Krimis, Wien-Krimis, Alpen-Krimis – kaum eine Region, die nicht als Stimmungshintergrund für eine Kriminalgeschichte dient. Jedes Provinznest hat seine Anhänger. Jeder Autor seine Leserschaft.

Auch Veronika Lackerbauer aus dem niederbayerischen Landkreis Landshut. Ihr war das Schreiben schon immer liebstes Hobby. Zu Beginn des Jahres ist ihre zweite Krimi-Sammlung erschienen. „Sushi & Weißbier“ hat nach „Hugo & Leberkäs“ wieder das bayerische Hinterland zum Schauplatz gemacht, mit echten bayerischen Urgesteinen, die so sprechen „wie ihnen der Schnabel gwachsen is“. „Spannend, geistreich, witzig, bayerisch. Bitte mehr davon“, schreiben ihre Fans und „Liebe Veronika, danke für die schönen Geschichten (nicht danke für den wenigen Schlaf) ;-)“

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