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Vom Gehen und vom Schreiben

Zwei Reichenhaller, der eine reist für sein Leben gern, der andere schreibt darüber. Während es Stefan Wiebel mit seinem Faltkajak, den Tourenski oder dem Gleitschirm immer wieder an einsame Orte der Welt zieht, hält Hans-Joachim Bittner dessen Abenteuer auf Papier fest. Herausgekommen ist ein packendes Buch. „Einfach geh’n…“ heißt es. Es ist weit mehr als ein Reisebericht, es ist die Geschichte einer Lebens-Reise.

Acht Monate intensiver Zusammenarbeit liegen hinter Stefan Wiebel und Hans-Joachim Bittner, beide Jahrgang 1970, beide aus Bad Reichenhall. „Ich glaube, ich kenne Stefan mittlerweile schon fast besser als meine Frau“, scherzt Hans. In unzähligen Gesprächen und Interviews hat Stefan Wiebel dem Journalisten, Autor und Fotografen von seinen Reisen berichtet. Und von seinem Leben. Weil bei dem Krankenpfleger und Globetrotter Stefan einfach beides zusammengehört.

Er ist erfahrener Höhenbergsteiger, er war auf Touren und Expeditionen im Himalaya, in Tibet, den Anden und Neuseeland. Er reiste monatelang durch Skandinavien. Mit dem Faltkajak und einem Freund paddelte er 2012 um die Lyngen-Alpen, ganz im hohen Norden Norwegens, im Gepäck nur das Nötigste. Mit einem Pulka-Schlitten im Schlepptau, stapfte er 2014 quer durch Lappland, immer auf der Suche nach der Einsamkeit. „So richtig gefunden habe ich sie eigentlich noch nicht“, sagt er. Soll wohl heißen: Die Reise wird noch weitergehen …

Bis hierher hat sie Hans-Joachim Bittner schon mal festgehalten. „Es ist die Lebensreise eines Mannes, der das Wegsein braucht wie den Kaffee am Morgen“, sagt er über die Hauptperson seines Buches. Beide Männer wohnen zwar Luftlinie nur rund 800 Meter voneinander entfernt, kannten sich vorher aber nicht persönlich. „Ich hatte nur von einem Reichenhaller gehört, der mit Faltboot, Zelt, Tourenski und einem Spezl in Nordnorwegen unterwegs war, 42 Tage lang. Das fand ich spannend. Da dachte ich, das könnte Stoff für ein nächstes Buch sein“, erzählt der Autor. Letztlich brachten der Zufall und Facebook beide zusammen. Sie trafen sich im realen Leben und begannen exakt drei Wochen nach ihrem Kennenlernen mit dem Buchprojekt. Ein bisschen Überzeugungsarbeit musste Hans Joachim Bittner zuvor leisten, ganz geheuer war es Stefan Wiebel nicht, so in den Fokus gerückt zu werden. „Man gibt doch viel Persönliches über sich preis“, sagt er.

Und tatsächlich sind es einschneidende Schicksalsschläge, die ihn dorthin brachten, wo er heute steht. Und vor allem geht. Sie zwangen ihn auch zum Umdenken, zu leichtsinnig war er in jugendlichen Jahren mit seinem Leben umgesprungen – und verlor es einmal beinahe.

„Der Titel „Einfach geh’n…“ kristallisierte sich erst kurz vor Abgabe des Manuskriptes raus“, berichtet der Autor, passt aber umso besser. Die Idee des Erzählens über einen Menschen und sein außergewöhnliches Tun, seine Touren, sein Unterwegs-Sein als Lebensmittelpunkt setzt sich somit in Buchform fort. Und es bringt zwei Leidenschaften zusammen: die des Schreibens und die des Unterwegs-Seins.

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