Von Altötting in die Welt

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Von Altötting in die Welt

Alle Wege führen nach Altötting, Herz des katholischen Bayern. Aber viele Wege führen auch vom Kreis Altötting in die Welt – durch innovative Betriebe, für die Region wichtige Arbeitgeber und Ausbilder, und ihr gebündeltes Know-how. Fünf davon präsentieren wir Ihnen.
Ein Artikel von Veronika Mergenthal
Fotos: Esterer Gießerei GmbH

Fotos: Esterer Gießerei GmbH

Eine faszinierende Welt aus Feuer und Eisen ist mitten im Marien-Wallfahrtsort Alt-ötting verborgen: Der 1862 gegründete Traditionsbetrieb Esterer Gießerei fertigt Gusskomponenten für Tausende von Maschinen und Anlagen weltweit.
Mit Hilfe von Modellen aus Holz oder Kunststoff entstehen in der Handformerei – und bei größeren Stückzahlen in drei Maschinenformereien – Sandformen. Hier wird die flüssige Metallschmelze eingefüllt. Die erstarrte Schmelze bearbeitet Esterer je nach Kundenwunsch weiter. Jährlich beliefert die Gießerei etwa 400 überwiegend mitteleuro-päische Kunden und produziert Gussteile mit einem Gesamtgewicht von etwa 2.500 Tonnen für zahlreiche Branchen wie Maschinenbau, Lebensmittelindustrie, Bergbau, Heiztechnik, Wasserkraft, Schiffsbau und Schienenfahrzeugbau. Alle Teile werden im Hinblick auf die spätere Belastung quasi maßgeschneidert.
„Viele Prozessschritte müssen perfekt ineinandergreifen, um guten Guss herzustellen“, erklärt Geschäftsführer Patrick Topol, der das Unternehmen mit seinem Vater Hans Topol leitet. Die Gussproduktion mitten in der Stadt ist dank aufwändiger Filteranlagen und Emissions-Überwachungssysteme seit vielen Jahren unproblematisch. Der Formsand wird zu über 90 Prozent regeneriert und wiedereingesetzt. Zur Nachhaltigkeit der Produktion trägt das Einschmelzen von Stanzabfällen, Kreislauf-material aus dem Herstellungsprozess und verschlissenen Gussteilen bei.

Christian & Johannes Demmelhuber Foto: Kenneth Fraunhofer

Christian & Johannes Demmelhuber
Foto: Kenneth Fraunhofer

Innenräume mit Herz und Verstand
Auf „Innenräume mit Herz und Verstand“ spezialisierte sich „Baierl + Demmelhuber“ seit Gründung 1964. Inzwischen hat das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Töging am Inn sechs deutsche Niederlassungen und ist auch in Österreich und Großbritannien vertreten. Geleitet wird es seit 1998 von den Gründer-Söhnen Johannes und Christian Demmelhuber.
Ganzheitliches Denken prägt den Betrieb, der 2013 und 2016 als „Bauunternehmen des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Das Leistungsspektrum reicht von Komplettausbau und Trockenbau bis hin zu exklusiven Möbeln und Shop-Innenausstattungen. Rund 540 Mitarbeiter, davon 64 Auszubildende in 14 Berufen, sind in Bereichen wie globales Projekt-management, Holzmanufaktur, Metallwerkstatt, Oberflächentechnik, Glas- und Metall-Manufaktur, Engineering, Versorgungstechnik oder Lager und Logistik tätig.
Die kreativen Innenausbauten von Baierl + Demmelhuber sind unter anderem im Einzelhandel zu finden. Zu den Kunden zählen das Luxuswaren-Unternehmen Louis Vuitton aus Paris, der Londoner Schuhdesigner Jimmy Choo oder der weltweit agierende deutsche Modekonzern Hugo Boss. Die Spezialisten aus Töging statteten auch Hotels, Bürobauten, Lounges und öffentliche Gebäude wie das Militärhistorische Museum Dresden oder das Kongresszentrum Tashkent (Usbekistan) aus. Der Wirkungskreis umfasst ganz Europa sowie Kanada, USA, Südafrika, Algerien, Russland, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate und Katar.

Fotos: Fraport AG; Josefine Unterhauser; Kenneth Fraunhofer
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Elisabethanisches Gewand Foto: Melanie Franzl

In Europa einzigartig: „Lebendige Theaterwerkstatt“
„Die Gewandmeisterei ist einer der schönsten Berufe der Welt“, sagt Alexandra Brandner. Damit dieser nicht ausstirbt und auch Schüler die „vielen tollen Theaterberufe“ erleben können, eröffnet sie im Juni in der Kohlbergstraße 2 nahe dem Altöttinger Kapellplatz eine europaweit einzigartige „Lebendige Theaterwerkstatt“. Die Handwerkerhäus-chen in England, wo man dem Schuster, Goldschmied oder Konditor zwanglos zuschauen kann, haben sie inspiriert. Gegründet hat die 44-jährige Powerfrau ihr Gewandmeisteratelier 1995 in der Burghauser Altstadt. Seit 2001 fertigte sie in Garching an der Alz Renaissance-Kostüme, Brautkleider, Museumsstücke und Gewänder für Film, Theater und Musical. Unterstützt wird sie von einer Teilzeit-Schneiderin und ab September von einem Lehrling. 35 junge Menschen bildete sie schon aus.
„Man kann das wirklich nicht mit dem Schneider vergleichen“, erläutert Brandner, die für ihre Arbeit alte Nähmaschinen schätzt. Sie bemalt auch, färbt, bestickt, webt; es entstehen Hüte, Taschen und „alles, was zu einem Kostüm gehört“. Unterwäsche, Ohrringe, Haare, Unterbauten für Reifröcke – alles muss passen und richtig recherchiert sein. Die Umstände sind zu berücksichtigen, etwa dass ein bestimmtes Pferd bei der Show „Apassionata“ das Rascheln des Tafts nicht mag.
Ihre Kostüme kamen im deutschsprachigen Raum sowie in Italien, England, Frankreich, Belgien, Holland und Tschechien zum Einsatz, unter anderem beim Karneval in Venedig, beim „Adelsball“ in Karlsbad, bei den Salzburger Festspielen oder beim Ludwig Musical in Füssen. 20 Rüstungen steuerte sie für den Film „Herr der Ringe“ bei.
Ab Juni 2017 ist Brandner als Expertin für Kostüm und Geschichte in der Show „Viel zu bieten“ täglich um 19.30 Uhr in ZDFneo zu erleben.

Fotos: www.kaindl-hoenig.com; Melanie Franzl
Elbphilharmonie Foto: Christian Höhn

Elbphilharmonie
Foto: Christian Höhn

Schöpfer der „weißen Haut“ der Elbphilharmonie
Von Didymus Hasenkopf 1964 als kleiner Zulieferbetrieb mit zwei Beschäftigten gegründet, ist Hasenkopf heute eine international tätige Industrie Manufaktur mit Sitz in Mehring bei Burghausen.
Mit über 220 Mitarbeitern und 22.000 Quadratmetern Produktionsfläche fertigt der Träger des „German Design Award 2017“ hochwertige Sanitär- und Kücheneinrichtungen, Inneneinrichtungen für Laden- und Ausstellungsbau, Gesundheitswesen, Gastronomie und Hotellerie sowie Fassaden- und Wandverkleidungen. Die Firma entwickelt auch maßgeschneiderte Schubladenlösungen.
Die Fertigstellung der am 11. Januar 2017 eröffneten Elbphilharmonie Hamburg ist ein Meilenstein in der Firmengeschichte. Mit modernsten Technologien verarbeitete die Industrie Manufaktur für die Peuckert GmbH aus Mehring über einen Zeitraum von sieben Jahren 10.287 Unikate für die 6.000 Quadratmeter große „Weiße Haut“ des Konzertsaals. Die einzigartige Innenraumverkleidung aus Gipsfaserbeton wurde mit Hilfe aufwendiger 3D-Berechnungen und Tests von einem weltberühmten Akustiker entwickelt. Hier ist keine Platte identisch, und keine Wabenstruktur wiederholt sich. Weitere Aufträge, wie die 3D-bearbeiteten Brüstungsabschlüsse aus Eichenholz und fugenlose, hochglänzende Empfangstheken und Bartresen aus dem Mineralwerkstoff Corian, folgten.
Die 900 Tische im WIPO-Konferenzsaal, bei der Welt-organisation für geistiges Eigentum in Genf, stammen ebenso von Hasenkopf wie die Fassade der neuen Zentrale von Microsoft Deutschland in München oder Elemente für die Präsentation der neuen „BMW i“-Modelle.

Fotos: www.hasenkopf.de; Elbphilharmonie/Iwan Baan; Nicolai Stephan
Fotos: Resch Maschinenbau GmbH

Fotos: Resch Maschinenbau GmbH

Maschinen für den Verpackungsbereich
Gegründet 1957, legt Resch Maschinenbau aus Töging den Fokus auf die anspruchsvollen Branchen Getränke, Lebensmittel, Pharmazie und Kosmetik. „Wir sind ein vollstufiges Maschinenbauunternehmen. Unsere Kunden bekommen von uns alles aus einer Hand“, nennt Ludwig Resch ein Alleinstellungsmerkmal der Firma, die er mit seinen Töchtern Miriam Biber und Verena Wehrfritz leitet. Von der Blechbearbeitung über Drehen und Fräsen bis hin zur Elektromontage deckt Resch alle Bearbeitungsarten ab. Aus vorwiegend metallenen Werkstoffen entstehen Bauteile, Baugruppen und Komplettmaschinen im Verpackungsbereich vor allem für den deutschsprachigen Raum.
Über die Tochter Power-Heat-Set GmbH, Weltmarktführer im Thermofixieren von Teppichgarnen mit überhitztem Dampf, laufen die Fäden der Welt in Töging zusammen. Die Technik und die von Resch produzierten Maschinen dafür exportiert die Tochterfirma in erster Linie in die USA, nach China und in den Orient.
Die 170 Resch-Beschäftigten profitieren seit heuer von einem Mitarbeiter-Aktionsprogramm mit Gesundheitswochen und Massagen. Auf dem 76.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände wurden über 1.000 Gehölze gepflanzt, und es gibt einen eigenen Obstlehrgarten.

Gute Fachkräfte sind bei den vorgestellten Unternehmen immer willkommen.

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