Von Rosenheim in die Welt

Mit mehr als 250.000 Einwohnern ist der Landkreis Rosenheim nach dem Kreis München der einwohnerstärkste in Bayern. Naturschönheiten, weltoffene Menschen und kreative Betriebe prägen diesen Verkehrsknotenpunkt. Fünf solcher Betriebe stellen wir Ihnen vor..
 Ein Artikel von Veronika Mergenthal

Ein perfekter Wintertag im kleinen Ort Maloja im Engadin prägte ein Lebensgefühl. Um „Leben und Arbeiten mehr in Einklang zu bringen“, gründete Peter Räuber 2004 mit Klaus Haas die Marke Maloja. Die Zentrale mit 35 Mitarbeitern ist seit 2007 in einem originell mit Naturmaterialien ausgebauten Bauern-Stadl bei Rimsting. Räubers Plan, nur Sommerkollektionen zu kreieren und den Winter in den Bergen zu verbringen, klappte genau zwei Jahre: Maloja wuchs so schnell, so dass sich die Geschäfte doch nicht vom Schlepplift aus erledigen ließen. Mit der designbetonten Funktions- und Freizeitbekleidung für Radfahrer, die deren „Lifestyle“ widerspiegelt, traf er eine Marktlücke. Inzwischen produziert Maloja zu einem jährlich wechselnden Motto Sommer- und Winterkleidung für alle am Berg verwurzelten Sportarten. Für das Motto 2012 „HiSociety“ – gemeint ist der Lebensraum oberhalb von 1.600 Metern – arbeitete die Rimstinger Belegschaft eine Woche lang auf Südtiroler Bergbauernhöfen. Produziert werden die Textilien zu etwa 65 Prozent in Europa und zu etwa 35 Prozent in Asien, von gut 20 zertifizierten Partnerbetrieben. Maloja ist Partner von Bluesign, dem aktuell strengsten Textilstandard, und hat eine eigene Produktion mit 150 Mitarbeitern in der bulgarischen Weltkulturerbe-Stadt Plovdiv. Verkauft wird die Marke heute in 30 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika, Australien und Asien. Maloja unterstützt soziale Hilfsprojekte in Bolivien sowie die Internationale Kinder- und Jugendhilfe Wasserburg. Außerdem ist Maloja Sponsor der deutschen Nationalmannschaft im Skibergsteigen und Partner des international erfolgreichen Rennradteams „Maloja-Pushbikers“.

Bio-Fertiggerichte ohne Fleisch

Als Maria Schramm 1988 mit ihrem Mann begann, Tofu herzustellen, ahnte sie noch nicht den späteren Boom der vegetarischen und veganen Küche, insbesondere nach dem BSE-Skandal. Das Aussteiger-Paar versorgte sich damals selbst und hielt auch Schafe und Hühner, wollte aber nicht, dass Tiere für ihre Ernährung geschlachtet werden. Ihr Tofu diente zunächst für den Eigenbedarf der Wohngemeinschaft. 1993 gründete Oskar Schramm in Breitbrunn das Familienunternehmen „Sojatopf“. Daraus wurde „SOTO“, heute noch der Markenname. Seit Herbst 2009 führt Maria Schramm die Firma, die 2011 nach Bad Endorf umzog. Sie heißt inzwischen „Organic veggie food GmbH“, hat etwa 60 Mitarbeiter und produziert über 30 verschiedene frische fleischlose Bio-Produkte.

Diese Fertiggerichte sind so schnell zu kochen, dass zeitlich eingeschränkten Menschen genug Muße für das entspannte Genießen bleibt. Konsequenz in der ökologischen Herstellung verbindet sich mit Leidenschaft und handwerklichem Können. Ziel ist der bestmögliche Nutzen für bewusste Verbraucher und eine gesunde Umwelt. Viele Rohstoffe, wie Getreide, Sprossen, Karotten und Weißkraut, haben nur kurze Wege hinter sich.

Die Rezepte sind international: Die Palette reicht von asiatischen Frühlingsrollen und anderen Gemüseröllchen über mexikanische Empanadas und orientalische Falafel bis hin zu italienischen Pizzaecken. Dazu kommen Fingerfood, Burger und Bratlinge.

Spielgeräte für mehr Harmonie

„Unsere Vision ist es, dass Spielen sich als harmonisierender Faktor wie ein roter Faden durch fast alle Bereiche des Lebens zieht“, sagt Julian Richter junior. Er leitet seit 2014 die von seinem Vater Julian Richter 1967 gegründete „Richter Spielgeräte GmbH“.

Der ganzheitliche Ansatz wird in Frasdorf gelebt: Die Spiel-, Erfahrungs- und Aktivitätsangebote fördern unter anderem Körpergefühl und Sozialkompetenz und richten sich an alle Altersgruppen. Sie finden sich nicht nur auf Spielplätzen, in Krippen und Kindergärten, sondern auch im öffentlichen Raum, etwa in Einkaufszentren, Krankenhäusern oder Freizeitparks. Die Firma Richter reagiert nicht nur auf die Bedürfnisse von Kindern, sondern auch auf den demografischen Wandel und die Sehnsucht aller Menschen nach Entspannung und Spiel.

Mit derzeit 95 Mitarbeitern und vier Subunternehmern stellt Richter etwa 800 verschiedene Produkte her. Sie werden mit viel Erfahrung, technischem Know-how und ökologischer Orientierung hauptsächlich aus Gebirgslärche produziert. Mit feuerverzinktem Stahl für die Verbindungen und Verankerungen, Edelstahl für die Rutschen und sechslitzigem Seil für Seile und Netze setzt der Betrieb auch sonst auf hochwertigste Materialien und dauerhafte Stabilität. Größere internationale Projekte wurden bisher unter anderem in Russland im „Sochi Olympic Park“, in den USA, in Australien und in ganz Europa realisiert.

Innovative Lasertechnik

Mit zwei weiteren Gesellschaftern gründete der gelernte Maschinenbauer Johann Bürger 1997 die Firma BBW Lasertechnik. In einer 40-Quadratmeter-Garage wurden mit einer selbst konstruierten Anlage Stents geschnitten, medizinische Implantate für Blutgefäße. Konsequent erweiterte die Firma ihre Kompetenzen. Die Führung ist seit 2015 rein in Familienhand; mit Sohn Andreas Bürger ist die Zukunft gesichert.

2009 zog der Betrieb in das Gewerbegebiet Prutting um. Heute hat er etwa 110 Mitarbeiter, ein überwiegend junges Team mit viel Dynamik. Auf einer Produktions- und Bürofläche von 4500 Quadratmetern verfügt er über 31 Anlagen zum Laserschweißen, -schneiden, -bohren und -beschriften. BBW Lasertechnik gehört mittlerweile zu den führenden hochspezialisierten Betrieben der Lasermaterialbearbeitung in Deutschland und ist für Kunden im Inland sowie in Österreich, Schottland und Spanien tätig. Die individuellen Komplettlösungen sind in der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Energie- und Umwelttechnik, Verpackungsindustrie und vielen anderen Branchen gefragt. Die stark wachsende Firma stellt laufend neue Fachkräfte und Auszubildende ein und plant für neue Aufträge, unter anderem im Bereich Elektromobilität, bereits ein weiteres Produktionsgebäude.

Erfolg mit Kräuterprodukten

Heilpflanzen aus Bruckmühl werden in mehr als 60 Länder auf der ganzen Welt exportiert: Seit 100 Jahren fertigt die dort seit 1968 ansässige Firma Salus wohltuende Tees, Tropfen, Tabletten und Tonika. Auslöser der Gründung war eine schwere Krankheit des Münchner Arztes Dr. med. Otto Greither. Durch umfangreiche Forschungen entwickelte er seine „Salus-Kur“, die auf Selbstheilung und Reinigung des Körpers, vor allem des Darms, abzielte.

Seit 71 Jahren lenkt sein 91-jähriger Sohn Otto Greither die Unternehmensgruppe und baute sie zum führenden mittelständischen Naturarzneimittel-Hersteller mit mehr als 400 Mitarbeitern aus. Sein Nachfolger, Dr. Florian Block, möchte die Firmenphilosophie fortführen: „Sinnvolle Innovationen, nachhaltiges Handeln, soziales Unternehmertum und Rücksicht auf die Umwelt sind die Eckpfeiler unserer Erfolgsgeschichte“, betont er.

Salus deckt den Herstellungsprozess größtenteils selbst ab – vom Rohstoff bis zur fertigen Packung. Allein 18 Wissenschaftler und 33 Laboranten sind für die Arzneimittelzulassungen und Qualitätskontrollen zuständig. Auf Konservierungsstoffe sowie künstliche oder naturidentische Aromen wird gänzlich verzichtet. Die Rohstoffe stammen überwiegend aus kontrolliert biologischem Anbau, unter anderem auf der betriebseigenen Kräuterfarm mit einer Fläche von 600 Hektar in Chile.

Peter Räuber und Klaus Haas, Maloja Gründer

Fotos: Maloja

Maria Schramm, Organic veggie food GmbH

Fotos: Alnatura GmbH/Marc Doradzillo

Spielgeräte für mehr Harmonie, Richter Spielgeräte GmbH

Fotos: Richter Spielgeräte GmbH

Johann Bürger mit Sohn Andreas Bürger, BBW Lasertechnik

Fotos: BBW Lasertechnik

Salus-Inhaber Otto Greither

Salus-Mitarbeiterinnen

Fotos: Salus
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