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Whisky made in Bayern

Whisky ist so was wie der Ferrari unter den Spirituosen. Eine Flasche kann locker ein paar Hundert Euro kosten. Schottland, Irland, Amerika sind Whisky-Länder schlechthin, aber Bayern der Geheimtipp.
Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar
Fotos: Slyrs

Fotos: Slyrs

Die Steinwälder Hausbrennerei Schraml in Erbendorf/Oberpfalz könnte die älteste im ganzen Land sein. Ihr Ursprung geht auf das Jahr 1818 zurück. Hier wird der Whisky wie anno dazumal hergestellt, an Rezeptur und Verfahren hat sich seit Ende des 19. Jahrhunderts nichts geändert. Gregor Schraml (42) führt die Brennerei in der sechsten Generation. Sein Whisky „Stonewood 1818“ heimst international Preise ein.
Benannt ist er nach der Region. Erbendorf liegt am Rande des Steinwaldes, einem wilden Naturpark südlich des Fichtelgebirges. Das Klima ist rau.
Der „Stonewood 1818“ ist ein Single Grain Whisky schottischer Art, das heißt es werden verschiedene Getreidesorten verwendet. Bei den Schramls schäumt in zwei riesigen Holzfässern Maische aus Weizen und Braugerste, ehe gebrannt wird. Anschließend kommt das Destillat für zehn Jahre ins Eichenfass und reift bei konstanten 13 Grad. Die Fässer sind nur schwach getoastet, also kaum geröstet. So entsteht der milde Geschmack mit Aromen von Vanille, Zitronengras und Honig. Zwischen 150 und 300 Flaschen „Stonewood 1818“ produzieren die Schramls im Jahr. Mittlerweile gibt es auch eine fünf- und eine dreijährige Ausgabe des feinen Tropfens.

Wetteinsatz: Weißbier
Angefangen hat alles mit einer Wette. 1994 reiste Braumeister Florian Stetter mit seinen Meisterkollegen nach Schottland. Die Gegend um Speyside erinnerte ihn an seine oberbayerische Heimat am Schliersee: Tannenwälder, Berge, Seen, Flüsse und Menschen von einer ähnlich charmanten Sturheit.
SLYRS-Faesser-mit-LogoStetter setzte spontan einen Kasten Weißbier darauf, dass man auch in Bayern erstklassigen Whisky herstellen kann. Zurück aus Schottland brannte er in der elterlichen Destillerie Lantenhammer den ersten bayerischen Single Malt Whisky und ließ ihn in Fässern aus amerikanischer Weißeiche über einen Zeitraum von drei Jahren reifen. Das Prädikat „Single Malt“ dürfen Whiskys führen, die aus einer einzigen Brennerei stammen und ausschließlich gemälzte Gerste verwenden. Florian Stetter gab seinem Tropfen den Namen Slyrs, nach dem 779 gegründeten Schlierseer Kloster Slyrs, ausgesprochen „Schliers“. Somit war die Wette gewonnen.

Anton Stetter

Anton Stetter

Seitdem hat sich am Schliersee viel getan. Eine Whisky-Destillerie wurde eigens neu gebaut und das Sortiment erweitert. Aus gesundheitlichen Gründen gab Florian Stetter den Betrieb an seinen Bruder Anton Stetter ab. Rund siebzigtausend Liter Whisky (Whiskey) liefert der jährlich aus, ins KaDeWe nach Berlin, nach China und sogar ins schottische Edinburgh.
Die Kelterei Stadler liegt idyllisch im Berchtesgadener Land auf rund 800 Metern Höhe. Schon Michael Stadlers Großvater und Vater führten den kleinen Familienbetrieb, der vor allem Säfte und Spirituosen produziert. Mit seinem Single Malt Whisky „Sleeping Witch“, zu Deutsch „Schlafende Hexe“ – so heißt ein Bergmassiv vor Stadlers Haustür –, hat er sich einen Kindheitstraum erfüllt. Das Destillat reift in Holzfässern aus Limousin-Eiche. Abfüllungen sind nur nach Warteliste erhältlich.

37 Millionen Flaschen
Die Nachfrage nach Whisky steigt kontinuierlich. Im Jahr 2016 wurde er laut dem „Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI)“ von rund 6 Millionen Deutschen regelmäßig nachgefragt und genossen. Der Anteil des Whisky-Angebots auf dem deutschen Markt betrug im Jahr 2015 rund 10 Prozent mit rund 66 Millionen Flaschen à 0,7 Liter. Über den deutschen Lebensmittel-Einzelhandel wurden nach Angaben des Marktforschungsinstituts Information Resources GmbH rund 56 Prozent des Gesamtmarktvolumens, also etwa 37 Millionen Flaschen à 0,7 Liter, verkauft.

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