Goldschmiede-Gut-Aich-014

„Wirf in den Staub dein Gold, so wird der Allmächtige dein Gold sein“ (Hiob)

Thomas Salzburger ist Goldschmied – und Ex-Mönch. 15 Jahre lebte der Kitzbühler in einem Benediktinerkloster. Eine Zeit, die ihn prägte, die ihm innere Freiheit schenkte. Heute hat er in Bad Reichenhall sein eigenes Geschäft. Sein Markenzeichen: Schmuck mit Sinn und Kraft.

Er hängt gleich neben der Ladentür, rechts an der Wand, der heilige Eligius, Schutzpatron der Goldschmiede. Die Tonfigur hat sein Werkzeug vor sich ausgebreitet, ganz so wie Thomas Salzburger auf seiner Werkbank. Es ist still in dem kleinen Raum. Angenehm still. Ruhe auszuhalten, sie sogar zu mögen, das hat Thomas Salzburger im Kloster gelernt. „Ich brauche keine Musik und kein Radio, ich bin lieber ganz bei dem, was ich tue“, sagt der 45-Jährige.

Schon als kleiner Bub wollte er Goldschmied werden. Der Vater war Uhrmacher, die Mutter Juwelierin, da lag der Berufswunsch nahe. Besonders religiös war die Familie jedenfalls nicht, katholisch ja, „aber ich war nicht mal Ministrant“, erinnert sich Salzburger.

Als er mit 17 Jahren einen der wenigen und in Österreich heiß begehrten Ausbildungsplätze zum Gold- und Silberschmied ergatterte, schien alles klar. Er legte seine Meisterprüfung ab, hatte eine hübsche Freundin, einen großen Freundeskreis, Hobbys.

Freizeit, Freunde, Familie: adé

Was dann genau passierte, was sich in ihm veränderte, kann Thomas Salzburger nicht so recht erklären. „Ich wurde unzufrieden, unruhig, wusste aber nicht, warum, nur, dass es so nicht weitergehen kann mit mir.“ Sein Leben schien keinen Sinn mehr zu machen. Dabei sehnte er sich genau danach: Sinn, Substanz, Tiefgang. Von früher kannte er einen Benediktiner, der war gerade dabei, ein ganz neues Kloster zu gründen, das Europakloster Gut Aich am Wolfgangsee. Und so wurde aus Thomas Salzburger Bruder Lukas. Es war mitnichten eine leichte Entscheidung, die er als 26-Jähriger traf, in einem Alter, wo die Freunde Familien gründen.

Sein Leben änderte sich von Grund auf. Er musste seine äußere Freiheit aufgeben, wie er selbst sagt. Einfach ins Kino gehen oder zum Essen, sich spontan mit Freunden, mit Verwandten  treffen, all das ging nicht mehr. Der komplette Tagesablauf im Kloster war geregelt – von früh morgens bis abends. „Die Umstellung auf diese enge Struktur ist mir nicht leicht gefallen. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich mich damit zurecht gefunden habe“, sagt er. Und bis an die Stelle der äußeren Freiheit langsam die der inneren, der friedlichen, der gelassenen trat. Nach einer Art Probezeit, legte Salzburger schließlich die ewige Profess (öffentliche Ablegung der Gelübde) ab.

„Ora et labora et lege“ – „Bete und arbeite und lies“ lautet ein Grundsatz des Benediktinerordens. Und so übernahm Thomas Salzburger im Kloster anfangs alle Arbeiten, die anfielen – von der Gartenpflege bis zum Kochen, ganz so, wie seine sieben Mitbrüder auch. 

Als sich die Gelegenheit ergab, eine klostereigene Gold- und Silberschmiedewerkstatt aufzubauen, schien sich für Salzburger ein Kreis zu schließen. Seine oftmals phantasievoll gefertigten sakralen Gegenstände und Schmuckstücke waren gefragt. Sie brachten dem jungen Kloster willkommene Einnahmen. Ein Benediktinerkloster funktioniert wie ein Unternehmen, die Erlöse müssen die Ausgaben decken. Zuschüsse von Kirchenseite gibt es nicht.

Er brennt für seine Arbeit

Thomas Salzburger fertigte einen Bischofsstab für die Diözese Eisenstatt, er schuf das Kreuz, welches Salzburgs Alt-Erzbischof Alois Kothgasser zum 70. Geburtstag geschenkt bekam, und er erzeugte den Pontifikalring für die Weihe von Pater Korbinian Birnbacher zum Erzabt von St. Peter. Nicht nur der Kirchenkreis gehörte zu Salzburgers Kunden. Es waren vor allem Privatleute und Seminarteilnehmer aus Gut Aich, die den Goldschmied beauftragten. „Man braucht für diesen Beruf viel Einfühlungsvermögen, man muss zuhören können und spüren, was der Kunde möchte. Mein Ausbildungsmeister hat mir damals nicht nur das Handwerk mitgegeben, er hat in mir auch einen Funken entzündet. Während meiner Zeit im Kloster konnte ich das Gespür für Menschen, für Farben und Formen weiter vertiefen. Ein Schmuckstück hat für seinen Besitzer nicht nur monetären, sondern immer auch ideellen Wert“, weiß er.

Als sich das Kloster in Bezug auf Neubaupläne stark betriebswirtschaftlich ausrichten will, konnte Thomas Salzburger diese Entwicklung nicht mittragen. Er machte sich die Entscheidung auch diesmal nicht leicht, suchte Gespräche mit einem älteren, ehemaligen Benediktinermönch. Er wusste, wenn er geht, geht er mit leeren Taschen, Benediktiner-Mönchen ist jeglicher Besitz untersagt. Ausgestattet mit lediglich einer kleinen Starthilfe, würde er noch mal bei null anfangen müssen. Gut, dass er immer mit beiden Beinen auf dem Boden stand. „Ich konnte waschen, kochen und putzen. Und ich hatte ja meinen Beruf.“ Am Wiener Dorotheum absolvierte er eine Ausbildung als Schätzmeister und arbeitete danach in der Salzburger Niederlassung.

Freude schenken

Als vor eineinhalb Jahren in Bad Reichenhall ein Goldschmied nach einem Nachfolger für sein Geschäft suchte, griff er zu. Korbinian Birnbacher weihte ihm die Räume ein. Mit dem St. Peter-Erzabt verbindet Thomas Salzburger mittlerweile eine Freundschaft.

In seinem kleinen Laden in der Innenstadt macht der 45-Jährige nicht nur Neuanfertigungen, sondern auch Reparaturen. Es gibt immer wieder Begegnungen, die hängen bleiben. So wie das alte Ehepaar – beide über 80 Jahre – die ihm einen alten Marienanhänger brachten. Es war das erste Schmuckstück, das die Frau von ihrem Mann geschenkt bekam. Es war abgegriffen, zerbeult, hatte keinerlei Materialwert. Aber die Frau hing an dem Stück. Für sie war es wertvoll. Thomas Salzburger fertigte eine Hülle, machte aus dem Anhänger ein Medaillon – und zwei Menschen glücklich. „Das sind auch für mich selbst wunderbare Augenblicke“, gibt er zu.

Kontakt ins Kloster hat er keinen mehr. Er war auch nie wieder dort.

„Die Zeit im Kloster war sehr intensiv, sehr wertvoll, und ich bin dankbar dafür“, sagt Thomas Salzburger. Er bedauert nichts, weder den Ein- noch den Austritt. In Rom hat er seine Dispens  (Befreiung vom Gelübde) beantragt, um sich vom ewigen Gelübde freisprechen lassen. Seinen Draht nach oben kann ihm aber keiner nehmen; sein Gottesbezug ist stabil wie eh und je.

Noch in diesem Jahr wird er eine neue Bindung eingehen. Er will heiraten, im September soll das erste Kind kommen. Dann wird Thomas Salzburger nicht mehr nur Schmuck herstellen, sondern auch selbst welchen tragen. An den Eheringen arbeitet er bereits.

Kathrin Thoma-Bregar

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