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Lesezeit: 3 Minuten

Ich kauf (immer noch) lokal

Text: Natalie Zettl

Fotos: privat

In einem muss ich den „Corona-Optimisten“ recht geben: Die Krise hat nicht nur negative Auswirkungen. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass ich wesentlich weniger einkaufen muss, als ich es gewohnt war – und dass es das, was ich brauche, zu 99 Prozent auch im lokalen Einzelhandel gibt. Übrigens größtenteils zu gleichen Preisen wie bei gewissen Online-Riesen.

Umso begeisterter war ich, als sich zu Beginn des Lock-downs herausstellte, dass ich mit meiner Agenda, statt weltweite Online-Versandhändler die lokalen (in meinem Fall Salzburger) Geschäfte zu unterstützen, nicht allein war: Auch in meinem Freundeskreis hatten viele die gleiche Ansicht, und auf Facebook formierte sich eine sehr aktive Gruppe mit dem klingenden Namen „Mir ist‘s nicht egal, ich kauf lokal“.

Gut vier Wochen lang taten viele ihr Bestes, um tatsächlich vor Ort einzukaufen – beim Blumenhändler ums Eck, dem Bäcker im Dorf oder dem Hofladen des Nachbarn. Zahlreiche kleine Geschäfte waren sehr findig in ihren Ideen und machten es einem leicht – durch Selbstbedienungskassen, kontaktloses Einkaufen und viele andere kundenfreundliche Optionen. Ich wurde ein großer Fan des Einkaufens vor Ort, weil ich dabei etwas erlebte, das ich beim globalen Onlineshopping vermisste: lokalen Flair und das Gefühl eines Zusammenhalts nach dem Motto „Gemeinsam durch die Krise“.

Und dann durften am 14. April die ersten Geschäfte wieder aufsperren.

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Nachdem ich eine Zeit lang überlegt hatte, ob es denn ansteckungstechnisch „safe“ sei, wieder durch die Getreidegasse zu bummeln, beschloss ich am 17. April, es mit Mindestabstand und gebotener Vorsicht zu wagen: Ausgestattet mit Maske und Handschuhen machte ich mich auf den Weg in die – angenehm leere – Altstadt, wo mir übrigens viele historische Details auffielen, die ich vorher nie wahrgenommen hatte, beispielsweise die Inschriften auf den Fassaden der altehrwürdigen Häuser in der Juden- und Getreidegasse. Was mir leider noch auffiel: Viele der Geschäfte unter 400 Quadratmeter, die eigentlich geöffnet hätten sein dürfen, waren zu. Auf verwunderte Nachfrage bei meinem Freund, der selbst in der Altstadt arbeitet, erfuhr ich, was es damit auf sich hatte: Hoffnungsvoll hatten die meisten kleinen Geschäfte am 14. April wieder aufgesperrt – nur um ernüchtert festzustellen, dass keine (oft wirklich null!) Kundschaft kam und zwei Tage später notgedrungen wieder zuzumachen. Kosten für Mitarbeiter, Ware usw. rechnen sich schließlich nur, wenn auch Umsatz gemacht wird.

Kaufen die Salzburger alle nicht mehr ein? Ich wage es zu bezweifeln. Vielmehr hege ich den Verdacht, dass wir Gefahr laufen, in den altgewohnten Trott zu verfallen und wieder das „einfache“ Onlineshopping beim übergroßen Konsum-Riesen zu präferieren. Das Problem: Viele der kleinen Geschäfte wird es bald nicht mehr geben, wenn wir sie jetzt nicht unterstützen! Und ich persönlich kann mir die malerische Salzburger Altstadt nicht vorstellen ohne die kleinen, alteingesessenen Geschäfte mit Holzschnitzereien, Süßigkeiten und vielem mehr. Sie, liebe Leser, doch sicher auch nicht?

Also lassen Sie uns auch weiterhin zusammenhalten und unsere Besorgungen in den kleinen Läden tätigen! Auch in Hinblick auf die Öffnung der Gastronomie Mitte Mai sollten wir den „Wir-Gedanken“ im Kopf behalten…

Ein Kommentar von Natalie Zettl